Handelspartner auf Zeit    

    DDR – Indien     Werkzeugmaschinen   

 

Entwurf 17.05.2003

 

                                           

 

Eine Betrachtung der Handelsbeziehungen zwischen Indien und der DDR - im speziellem auf  dem Wirtschaftsbereich Werkzeugmaschinen

von Diplom-Ingenieur Klaus-Dieter Baumgarten († 2011)

 

Kontakt eMail :  Klaus-Dieter Baumgarten

 

Wir schreiben das Jahr 2003, also nunmehr 13 Jahre nach der friedlichen Wende in der DDR  und der sogenannten gewollten wiedervereinigenden Übernahme zu einer Bundesrepublik Deutschland. Wer sollte Interesse haben, etwas zu lesen oder gar zur Kenntnis zu nehmen über einen geschichtlichen Abschnitt “ Handelspartner auf  Zeit:  DDR - Indien “ ? Diese Frage muss man sich natürlich stellen, wenn man sich schon die Mühe macht, etwas darüber zu schreiben.

Betrachten wir die Entwicklung nach der Wende, so ist die geschichtliche Aufarbeitung  der DDR nicht notwendig, denn sie besteht nicht mehr und Nostalgie kann das heutige System nicht gebrauchen. Lothar de Maiziere, Stellvertretender Minister-Präsident im Kabinett Modrow konnte es gar nicht abwarten, persönlich dem damaligen UNO-Generalsekretär in New York ein Schreiben zu übergeben, worin er mitteilt, dass der Staat “ DDR “ nicht mehr existiert. Dass der ehemalige UNO-Botschafter der DDR, Peter Florin noch mit seiner gesamten Mannschaft in New York anwesend war, störte keinen. Wird nicht mehr gebraucht, Kompetenz und Effektivität ist gefragt und demzufolge abwickeln.

Über die DDR-Wirtschaft wird seit der Wende viel theoriesiert, werden Hypothesen und Legenden gebildet. Zahllose Theoretiker glauben zu wissen, woran die Wirtschaft krankte. Enttäuscht und verärgert von den einseitigen Darstellungen der westlichen Medien, haben sich praxiserfahrene DDR- Wirtschaftskenner, so auch aus dem Bereich der Werkzeugmaschinen-Industrie, bisher kaum zu Wort gemeldet. Eine fundierte Analyse der ökonomischen Strukturen und ihrer Entwicklung steht noch aus.

Der DDR-Werkzeugmaschinenbau wurde mit seinen über 80.000 Mitarbeiten abgewickelt oder platt gemacht, wie es im Neu-Deutsch gesagt wird. Er war marode, unrentabel, er rechnete sich nicht und war somit zur Zerschlagung freigegeben für die Konkurrenz, welche sich die neuen Märkte aufteilten und  noch an der Immobilie verdient haben. Außerdem noch ein Grund: der Werkzeugmaschinenbau der DDR hat dem ineffizienten  DDR-Regime gedient und zum wirtschaftlichen Ruin des Ostens beigetragen. Er musste also ohnehin von der Bildfläche verschwinden. Schon aus diesen wenigen Sätzen lässt sich nachvollziehen, dass nur ein kleiner Kreis Interesse haben könnte, vielleicht gerade deshalb nachzulesen, wie sich der DDR-Handel auf dem Gebiet des Werkzeugmaschinenbaues  mit der Republik Indien entwickelte, er wurde über einen doch langen Zeitraum zu einem für beide Länder lohnender Handelspartner. Seit Bestehen der DDR bis zur Wiedervereinigung wurden über 28.000 Werkzeugmaschinen nach Indien geliefert. Eine enorme Leistung der ehemaligen Betriebe, Kombinate, der Zulieferbetriebe, der Außenhandelsorganisation und vor allem nicht zu vergessen der vielen langgedienten indischen Partner und deren Organisationen. Am Ende der Nacherzählung zum Thema Handelspartner auf Zeit hat der Verfasser versucht, eine namentliche Aufstellung der ihm bekannten  indischen und deutschen Personen zu geben, welche indirekt oder direkt mitgearbeitet haben an einer doch positiven Handelsverbindung  DDR - Indien. Betrachten wir diese Aufstellung als Hommage für die enormen Leistungen, welche von ihnen im Interesse für ihr jeweiliges Unternehmen oder Land erbracht wurden.

Der Verfasser der Nacherzählung bezieht sich auf persönliche Kenntnisse und direkte langjährige Tätigkeit in der Republik Indien und auf Zuarbeiten befreundeter Indienkenner. Der Verfasser erhebt natürlich keinen Anspruch von vornherein auf Vollständigkeit oder gar eine wissenschaftliche Abhandlung. Es stellt lediglich eine Beschreibung dar, welche an vielen Stellen ergänzt werden könnte bzw. Präzisierungen notwendig hätte. Es ist ein Fragment, ein fragmentarisches Zeitzeugnis, dessen Auffassungen notgedrungen subjektiv sein müssen.

 

Folgende Themenkomplexe sollen in freier Form behandelt werden: 

       -   Die Entwicklung des deutschen Werkzeugmaschinenbaues, insbesondere in

           Mitteldeutschland bis 1945                                                                                                  

       -   Situation des Werkzeugmaschinenbaues in Ostdeutschland nach der Zerschlagung des

           Hitlerfaschismus bis 1950 und dessen Entwicklung bis 1990

       -   Entwicklung  des indischen Werkzeugmaschinenbaues         

       -   Die ersten Maschinen -  Lieferungen nach Indien über Drittländer

       -   Die Entwicklung des Absatzes von Werkzeugmaschinen nach Indien im Spiegelbild der         

           Entwicklung Indiens, von der Lampensockeldrückmaschine bis zum   

           CNC-Bearbeitungszentrum 

       -  Systematischer Aufbau eines stabilen Vertreternetzes, flächendeckend in ganz Indien nach

           festgelegten Prinzipien, Richtlinien und Anforderungen          

       -  Tropentauglichkeit THA II, Planwirtschaft und indische Importvorschriften

           ( AU und S&S- Lizenzsystem)           .

       -  Wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit, Lizenzproduktionen

       -  Export von  Werkzeugen und Werkzeugmaschinen aus Indien in die DDR  

       -  Werbung und Messen, Symposien, Marktbearbeitungsgruppen,Warenzeichenarbeit von

           WMW und der vier WM-Kombinate auf dem indischen Markt .    

       -  Zusammenarbeit mit den werkzeugmaschinenexportierenden sozialistischen Ländern

 

Die Entwicklung des deutschen Werkzeugmaschinenbaues, insbesondere in Mitteldeutschland  kann auf eine mehr als 170 jährige Geschichte zurückblicken. Man geht davon aus, dass der eigentliche  Grundstein für die Entwicklung leistungsfähiger Werkzeugmaschinen, mit denen metallische Werkstücke bearbeitet werden konnten, die Weiterentwicklung der 1711 von T. Newcomen erfundenen Dampfmaschine durch J. Watt war. Mit ihr wurde es möglich, die bisher ausschließlich mit Muskelkraft angetriebenen Maschinen nunmehr motorisch anzutreiben. Die Textilindustrie, welche sich besonders im mitteldeutschen Raum ansiedelte, war bestrebt zur Abdeckung des Bedarfes, die Produktionsprozesse der Textilverarbeitung mit mechanischen Bearbeitungsmaschinen durchzuführen. Dieser Forderung stellte sich der sich entwickelnde Industriezweig. So entstand um 1850 der Werkzeugmaschinenbau und wurde zu einem verheißungsvollen, zukunftsreichen Fabrikationszweig in Mitteldeutschland. Rasant entstanden Produktionsstätten in Chemnitz, Dresden, Berlin, Erfurt, Magdeburg um nur einige zu nennen. Man kann sagen, dass dort ab 1857 in diesen Produktionsstätten bereits serienmäßig Bohr-, Dreh-, Hobel- sowie Stoßmaschinen hergestellt wurden, die sich in ihrer technischen Konzeption und Qualität bedeutend von den einstigen englischen Vorbildern abhoben. Produktionsflächen und die Zahl hochmotivierter Beschäftigte stiegen rasant an, so wurde u.a. 1899  in diesen Gebieten auf einer Gesamtfläche von über 250.000 qm und  12.000 Beschäftigten eine breite Palette von Werkzeugmaschinen serienmäßig hergestellt. Im Folgezeitraum entwickelten sich in Mitteldeutschland namhafte Firmen für die Herstellung von Dreh-, Fräs - und Zahnradbearbeitungsmaschinen, sowie im Blechbearbeitungssektor und der Umformtechnik. Warenzeichen von Weltruf wie UNION , NILES, Hasse & Wrede, Wotan, Jung, Pelz und Kärger entstanden ebenfalls in diesem Zeitraum. Die Werkzeugindustrie, besonders aus den Gebieten um Schmalkalden mit einer bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Tradition, die Stahl-Klingen- und Schwertschmiede trugen wesentlich zur schnellen Entwicklung des Werkzeugmaschinenbaus bei. Die Entwicklung der wichtigsten Arten von Standardwerkzeugmaschinen, wie Dreh-, Hobel-, Stoß-, Bohr- und Fräsmaschinen, war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im wesentlichen abgeschlossen.

Im Überblick die Entwicklung  nochmals : 1765 Zylinderbohrmaschine, 1794 Metalldrehmaschine mit Support, 1814 Hobelmaschine, 1832 Walzenschleifmaschine, 1850 Beginn der  Zerspanungsforschung, 1872 Einführung des Meters, 1900 Schnellstahl

und 1942 Programmschaltung an Werkzeugmaschinen.

Besonders in den Jahren von 1850 bis 1942 wurden enorme Verbesserungen erreicht hinsichtlich der erreichbaren Fertigungsgenauigkeiten. Wie schon gesagt war die Entwicklung der meisten Werkzeugmaschinentypen bis 1930 abgeschlossen. Entscheidende Weiter- bzw. Neuentwicklungen traten erst wieder nach 1945 auf.

 

Situation des Werkzeugmaschinenbaues in Ostdeutschland nach der Zerschlagung des

Hitlerfaschismus bis 1950 und dessen Entwicklung bis 1990.

Ein Großteil der Werkzeugmaschinen-Betriebe in der Sowjetischen Besatzungs-Zone (SBZ) waren einerseits von Kriegszerstörungen, andererseits von Reparaturleistungen an die Sowjetunion betroffen, d. h. die noch halbwegs intakten Fabriken wurden demontiert oder unter sowjetische Verwaltung gestellt, insbesondere wenn sie aktiv an der Rüstungsproduktion teilgenommen hatten. Dies waren bekanntlich ja viele.

Das Ausmaß der Gebäudezerstörungen und die Beschädigungen der Maschinen und Ausrüstungen sowie Arbeitsmittel und die enormen Schwierigkeiten in den ersten Nachkriegsjahren, Material und Arbeitskräfte zu beschaffen und die Finanzierung für einen Wiederaufbau zu sichern, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gründe, weshalb eine Maschinenproduktion zunächst nur sehr schleppend aufgebaut werden konnte. Die nach 1945 wiedererteilten Gewerbegenehmigungen an die Besitzer hatten bis 1948 Bestand. Im Mai 1948 wurden die meisten Firmen unter behördliche Verwaltung gestellt und mussten einen neuen Antrag auf Gewerbeerlaubnis stellen. Im Jahre 1949 wurden wesentliche juristische Maßnahmen zur Verstaatlichung der Betriebe vollzogen. Die Betriebe wurden als selbständige Betriebe in die Verwaltung der VVB WMW übergeben und als volkseigene Betriebe (VEB) geführt. Die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) als zentrale und leitende Einrichtung der damaligen sowjetischen Besatzungszone (später DDR) für den Wirtschaftszweig Werkzeugmaschinen und Werkzeuge (WMW). Die VVB war verantwortlich für alle grundsätzlichen und strategischen, wissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Fragen einschließlich der Kontrolle der  ihr zugeordneten  Betriebe im Zusammenwirken  mit der Staatsbank und der staatlichen Finanzrevision.

Die Jahre 1948 bis 1950 waren also geprägt durch Eigentumsveränderungen

- vom Privatunternehmen zum Treuhandbetrieb und

- vom Treuhandbetrieb zum volkseigenen Betrieb

 

Diese Veränderungen brachten naturgemäß Personalwechsel in den Geschäftsleitungen mehrfach mit sich. Die in den leitenden Funktionen eingesetzten Personen hatten nicht immer die erforderlichen Qualifikationen oder behinderten möglicherweise auch bewusst die Entwicklung der Betriebe.

Der Arbeitsstil änderte sich schrittweise jedoch erst gegen Ende der 50er Jahre. Bis dahin befassten sich die oberen Leitungsebenen ausschließlich mit Tagesaufgaben, wie

- Reparatur- und Investitionsleistungen

- permanenten Versorgungsproblemen mit Material für die Produktion

- mit den  “ von oben “ den Betrieben aufgezwungenen unrealistischen Planauflagen in Bezug auf Arbeitsproduktivität, finanzielle Mittel und Verkauf.   

 

Zusammenfassend  für die Jahre 1945 bis 1950 kann gesagt werden: die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges ließen wenig übrig von der ehemaligen Mitteldeutschen Werkzeugmaschinenindustrie.

Nur die Erfahrungen, der Fleiß und die enorme Aufbauleistung machten es möglich, dass die Betriebe aus den Trümmern neu entstehen und ihre traditionellen Herstellungsprogramme weiterführen konnten. Karl-Marx-Stadt (früher und heute Chemnitz) war daher auch der Ort, an dem 1948 der Grundstein für den planmäßigen Aufbau der volkseigenen Werkzeugmaschinen- und Werkzeugindustrie gelegt wurde.

In der 1949 gegründeten DDR  konnten nun Tradition und Leistungen des deutschen Werkzeugmaschinenbaues fortgesetzt werden. Hauptproduktionszentren sind Karl-Marx-Stadt mit   Sitz des Forschungszentrums des Werkzeugmaschinenbaus, Berlin, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Gera, Schmalkalden und Erfurt  neben vielen anderen Standortbereichen der über 60 Betriebe. Diese Betriebe wurden ab 1969 in die vier WMW-Kombinate:

-  WM-Kombinat  “ 7.Oktober Berlin “,

-  “ Fritz   Heckert  Karl Marx Stadt “ angeschlossen das Forschungszentrum des 

    Werkzeugmaschinenbaus, der Projektierungs-Lieferbetrieb für komplette  Industrieanlagen

    RAWEMA sowie der Steuerungsproduzent Numerik Karl Marx,

-  “ Umformtechnik Erfurt “,

-  “ WMK Schmalkaden “ überführt.

 

Die 1969 gegründeten WMW-Kombinate in Zusammenarbeit mit über 120 Betrieben der bezirksgeleiteten  Industrie entwickelten sich im Verlauf der Jahre zu einem der führenden Industriezweige des Landes, in welchem letztlich ca. 80.000 Facharbeiter, Ingenieure, Ökonomen, Verkaufs- und Servicetechniker tätig waren, nunmehr die 7. Generation deutscher Werkzeugmaschinenbauer. Weit vor der Kombinatsbildung und auch noch verstärkt danach wurden viele Werkzeugmaschinen-Betriebe modernisiert und mit der modernsten Technik ausgerüstet. In doch relativ kurzer Zeit wurde das Produktionsprofil nach der Zerschlagung des Hitler-Faschismus wieder aufgenommen, trotz der enormen Anfangsprobleme, und ständig erweitert. Bis zum Beginn der zentralistischen Kombinatsbildung 1969 verfügte der Industriezweig über eine breite Palette von Bearbeitungsmaschinen  in seinem Sortiment. Zählte man alle Typen zusammen kam man auf über 1400  unterschiedliche Maschinen für die Bearbeitung  unterschiedlicher Verarbeitungsverfahren und Technologien.

Der Einsatz von numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen begann ab 1960 mit hoher Intensität. Mit der Kombinatsbildung wurde auch die Forschung und Entwicklung vorangetrieben, um Maschinensysteme mit technischem Höchststand zu entwickeln und zu produzieren. Die ersten  Erprobungseinsätze wurden unter produktionsmäßigen Bedingungen  in WMW-Betrieben oder in anderen Maschinenbaubetrieben  durchgeführt, so u.a. ab 1971 das auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellte Maschinensystem  ROTA - F - 125 NC . Bis 1986 allein wurden in mehreren Bereichen der metallverarbeitenden Industrie der DDR 12 flexible Fertigungssysteme (FMS) projektiert, konstruiert und in Betrieb genommen. Weitere 60 waren bis 1990 in Planung und Vorbereitung. Durch die enge Verbindung von wissenschaftlich-technischer Entwicklungsarbeit und Produktion, wie sie von jeher Tradition im Industriezweig war, wurden in den letzten DDR-Jahren  Fertigungslösungen hervorgebracht, die gekennzeichnet waren durch eine effiziente Lösung zwischen Maschine, peripherer Automatisierungs-Lösungen und Handhabungstechnik unter Einsatz  mikroelektronischer Steuerung . Mit diesen Maßnahmen wurde entsprechend dem internationalen Trend ein wichtiger Beitrag geleistet zur Rationalisierung  und Automatisierung der Produktion unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche. Der Werkzeugmaschinenbau in seiner Doppelrolle erstens als “ Wiege  des Maschinenbaus” für die Versorgung der DDR-Industrie und zweitens für den Export stellte sich dieser Aufgabe mit berechtigtem Erfolg. In der Produktion von Werkzeugmaschinen in der Welt stand der Industriezweig WMW mit den 4 WMW-Kombinaten und seinen über 60 Exportlieferbetrieben laut einer Statistik aus dem Jahre 1987 des “ American Machinist “, einer führenden USA-Zeitschrift an 6.-bis 7. Stelle und im Export an 3. bis 4. Stelle.

Bis 1990 wurden Werkzeugmaschinenerzeugnisse hergestellt, die zu fast 80 % in alle Welt exportiert wurden . Überzeugender Beweis für die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der WMW  Erzeugnisse sind die mehr als 430.000, die in den 40 Jahren geliefert worden sind. So wurden z. B. weit über 60.000  hochproduktive Maschinen in die BRD geliefert, über 6.000 nach Großbritannien, 28.000 nach Indien, 5.000 nach Italien und 10.000 nach Frankreich.

WMW präsentierte seine Erzeugnisse, die eine durchschnittliche Erneuerungsrate von ca. 30% pro Jahr in den Hauptmaschinengruppen hatten, auf allen bekannten nationalen und internationalen Messen, wie die Leipziger-Frühjahrs-Messe, EMO in Hannover, Mailand und Paris, BIMO in Spanien, Imtex Bombay, um nur einige zu nennen.

 

Die WMW-Organisation auf den Außenmärkten bestand aus :

            - 10 WMW-Verkaufs- und Service-Gesellschaften, die sich in Übersee und Europa  befanden.

            - 30 nationalen Maschinenhandelsfirmen auf  25 Märkten, die als Verkaufs - und Servicefirmen langjährige Vertreterbeziehungen zu WMW unterhielten.

            - 16 mit WMW-Personal besetzten technischen Beratungs-Kundendienstbüros.

Neben der Herstellung von unterschiedlichen Produktionsmaschinen in den Hauptproduktionszentren Berlin, Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Dresden und Erfurt konzentrierte sich der Industriezweig mit langjährigen Erfahrungen auch auf die Entwicklung und den Einsatz flexibler Fertigungssysteme. Mehr als 120 gelieferter Systeme verschiedenster Ausführungen und in differenzierter Ausstattung hatten sich im Werkzeugmaschinenbau selbst, im Landmaschinen- und Elektromotorenbau und anderen Industriezweigen des In- und Auslandes bewährt. Einige Beispiele seien stellvertretend benannt zur Demonstration der Leistungskraft des Industriezweiges, in ihnen kommt besonders zum Ausdruck die enge Verbindung des Forschungs-, Konstruktions- und Produktionspotentials. Kennzeichnend waren die enge Verknüpfung der Mikroelektronik mit dem Maschinenbau, also die Abstimmung zwischen Maschine und Steuerungstechnik, periphere- Automatisierungs- und Handhabetechnik. Um diese Leistungen zu erreichen, hat der Industriezweig enge Kooperationen  mit den Anwendern, Forschungseinrichtungen der DDR, der Akademie der Wissenschaften, der Technischen Universität Dresden und Karl-Marx- Stadt und dem Institut Manfred von Ardenne gehabt.

Lieferung von 8 Waagerecht- Bearbeitungszentren Typ CW 500, ausgelegt als FMS-Moduln incl. Vorrichtungen für die AS BYGG-OCH Tranportekonomi in Mjölby/Schweden

Lieferung von FCW 1000 mit 8 Palettenstationen, Spannstationen und Transportroboter sowie FZW 1000 und CW 1000 mit 8 Palettenstationen und Transportroboter an die Fa. Alsthom/ Frankreich.(Einsatz FCW 1000 u.a. für die Bearbeitung spezieller komplizierter Schienenfahrzeuge) TGV Atlantique-Hochgenauigkeitszug, Elektroloks, Metro Lyon.

Hochleistungs-Karosseriepressen zur Herstellung von Karosserieblechteilen im Linienverbund an Volkswagen AG Wolfsburg und VW-Werk Mexiko.

Lieferung eines kompletten FMS ( 39 CNC-gesteuerte BAZ ) für das Automobilwerk Minsk/UdSSR.

Lieferung eines kompletten FMS ( 19 CNC-gesteuerte BAZ ) für das Automobilwerk Gorki.

Lieferung eines kompletten FMS ( 39 CNC-gesteuerte BAZ ) an das Fräsmaschinenwerk Gorki.

Lieferung von 40 FFA an die Automobilvereinigung SIL zur Komplettbearbeitung  Lenkungsteile, Anlassern und Stoßdämpfern .

Lieferung einer flexiblen Fertigungslinie zur Herstellung von Karosserieblechteilen in 7 Umformstufen an das Automobilwerk Moskwitsch UdSSR

Die o.g. Beispiele, hier nur ein kleiner Teil dargestellt und erwähnt, waren ein Beweis für die Leistungsfähigkeit des Industriezweiges Werkzeugmaschinen-Werkzeuge der DDR. Dieser Industriezweig war auf dem Weg die rechnerintegrierte und automatisierte Fertigung für die metallverarbeitende Industrie bahnbrechend durch neueste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zu gestalten.

Abschließend sollte man auf einige Schwierigkeiten hinweisen die über viele Jahre nach 1945 bedingt durch innere und äußere Bedingungen und Einflüsse sich negativ  bzw. hemmend auf die Entwicklung des Industriezweiges auswirkten:

- Viele Werkzeugmaschinenbetriebe, soweit noch vorhanden nach der Zerschlagung des Hitler Faschismus, wurden unter sowjetischer Besatzung auf Beschluss der Sowjetischen  Militäradministration bis auf wenige Restbestände demontiert. Das geschah im Rahmen der Wiedergutmachung für die angerichteten Kriegsschäden, die der Sowjetunion durch Deutschland   zugefügt wurden. Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie war gewissermaßen einer der führenden deutschen Militärbetriebe. Außerdem wurden viele Maschinenbauexperten zum Wiederaufbau der russischen Industrie für Jahre in die Sowjetunion gebracht.

- Der Prozess der Zwangs-Verstaatlichung nach sowjetischem Muster war zu schnell und zeitlich  verfrüht. Viele ehemalige Firmenbesitzer erlangten eine Verlagerung in die damaligen Westzonen. Dies geschah besonders unter den Auswirkungen der stalinistischen Zeit und den sich abzeichnenden Machtverhältnissen.

- Fehlen von Facharbeitern durch die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte nach West-Berlin und in die Bundesrepublik.

- Permanente Engpässe in der Materialsituation und Probleme mit der Zulieferindustrie wie u.a.  Elektro- - und Hydraulikindustrie.

- Die DDR wurde im Laufe der sechziger Jahre zur zweitstärksten Industriemacht im Rat für  Gegenseitige Wirtschaftshilfe und zum wichtigsten wissenschaftlichen und politischen Partner der Sowjetunion. Das bedeutete für den Industriezweig einseitig orientierte Exportauflagen in die SU und außerdem eine Einschränkung der zu produzierenden Erzeugnispalette auf der Grundlage von  Abstimmungen im RGW, wer was produziert nach auferlegten teilweise diktierten und festgelegten Entscheidungen. Dies führte zur Einstellungen bekannter Erzeugnisse, die durchaus für den Export gute Erlöse erbracht hätten. Mit der Einstellung vieler Produkttypen wurde ein Stück deutscher Werkzeugmaschinentradition im Zuge der Rationalisierung innerhalb des RGW aufgegeben.

 

Stellvertretend für die vielen Erzeugnisse, welche aus dem Produktionsprofil gestrichen wurden nachstehend eine Aufzählung der Hauptgruppen:

·       Einständer- und Zweiständer-Karusseldrehmaschinen

·       Sternrevolverdrehmaschinen

·       Metalldrückmaschinen

·       Weichenzungenhobelmaschinen

·       Kurzhobler

·       Hon- und Läppmaschinen

·       Rundtischschleifmaschinen

·       Radialbohrmaschinen

·       Kurbelwellenschleifmaschinen

·       Holzbearbeitungsmaschinen

·       Trenn- und Sägetechnik   u.v.m.

 

Die Neuorientierung der Wirtschaftspolitik nach dem Grundsatz des höchsten ökonomischen Nutzeffekts und der materiellen Interessiertheit Anfang 1963 brachten für den Industriezweig keine Erleichterungen. Die DDR-Führung  hielt an den Grundprinzipien der sozialistischen Wirtschaftspolitik, dem staatlichen Eigentum an Produktionsmitteln und der zentralen Planung fest. Gerade in der Zeit nach dem 13. August 1961 hatten viele Bürger der DDR, nicht nur SED-Mitglieder, die Hoffnung gehabt, dass es nunmehr möglich sei, ungestört eine bessere Gesellschaft aufzubauen und zu schaffen. Aber schon 1968 war diese Hoffnung dahin. Hochgeschraubte Erwartungen von einer effizienteren Volkswirtschaft durch das von Ulbricht forcierte “ Neue Ökonomische System der Planung und Leitung “ hatten sich nicht erfüllt

Die Folgen waren überzogene Pläne und keine Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das Gerede von der “ sozialistischen Menschengemeinschaft “ stand im krassen Widerspruch zum undemokratischen Alltag.

Die Leistungen der Sozialpolitik verdeckten die Probleme, mit denen die Wirtschaftspolitik der DDR Anfang der siebziger Jahre zu kämpfen hatte und mit denen sie letztlich nicht fertig wurde. Ein weiteres Grundproblem war die Schwerfälligkeit des zentralen Planungs- und Leitungssystems, das eine kurzfristige Umsetzung von wissenschaftlich-technischen Neuerungen behinderte.

Der NSW-Export, der in den 50er und 60er Jahren zunächst noch eine gewisse unbedeutende Rolle spielte, wurde danach in zunehmendem Maße zu einem wichtigen Faktor in der Außenhandelspolitik der DDR. Die Erdölkrise Anfang der siebziger Jahre und die explosionsartige Entwicklung der Mikroelektronik stellte den DDR-Werkzeugmaschinenbau vor große Probleme. Die Embargo - Maßnahmen der westlichen Länder trafen den Industriezweig Werkzeugmaschinen besonders hart  im Bereich der Antriebs- und Steuerungstechnik. Kostenaufwendige Entwicklungen waren notwendig, damit Zeitverluste für die Finalproduktion. Schlimme Auswirkungen hatten für uns als besonders wissenschafts- und technologieintensiver Industriebereich die genannten Auswirkungen und Zwänge des Nato-Embargos auf vielen Gebiete des Maschinenbaues. Dadurch konnte von einem bestimmten Zeitpunkt an eine leistungsfähige, moderne technische Basis ohne Zeitverluste nicht mehr entstehen, durch den willkürlichen, politisch motivierten Ausschluss aus der Weltwissenschaft waren der Maschinenbau und andere Industriezweige der DDR außerstande, sie aus eigener Kraft aufzubauen. Als besonders verwerflich erscheint vor allem die Tatsache, dass die BRD und die imperialistische USA im Rahmen der NATO ihre Bündnispartner zwang, das Embargo gegen die DDR anzuwenden.

Die NSW-Kunden hatten sehr schnell erkannt, dass sie komplizierte und kostenintensive Aufträge in der DDR-Werkzeugmaschinenindustrie billig realisiert bekamen, weil die Erzeugnisse teilweise wegen der staatlich geförderten und notwendigen Devisenbeschaffung zum Teil unter Wert verkauft wurden. Die Aufträge erforderten zum großen Teil Einzelfertigung, zum Beispiel durch Sonderspannung, Tropenausführungen sowie durch bestehende Lastenheft- und Lieferbedingungen der einzelnen Kunden. Hier wurde dem Lieferer vorgeschrieben, welche elektrischen Geräte, hydraulische Ausrüstungen oder auch Steuerungen in den bestellten Maschinen einzusetzen seien.  Ende Oktober 1989 und insbesondere in Vorbereitung der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED hofften viele Wirtschaftsexperten des Industriezweiges, so auch in der gesamten DDR auf eine Änderung und den Sturz der Führungstroika. Der Sturz von Honecker, Mittag und weiterer Führungskräfte dieses Staates deuteten sich an. Mit dem Abgang dieser wurde die gesellschaftliche Grundstruktur der DDR in Frage gestellt. Die stalinistische Kommandowirtschaft wurde damit aufgehoben. Jetzt konnte es nur anders gehen in Richtung Marktwirtschaft und Demokratie. Anstelle einer deutsch-deutschen Wirtschaftskooperation, Reduzierung von Handelshemmnissen usw. kam es zur besagten Wende und zu der angestrebten Währungsunion.

Mit der Währungsunion verschwand scheibchenweise ein Vorzeige-Industriezweig  der untergehenden  DDR.

WMW-Leistungen durch technischen Fortschritt und Tradition wird es nicht mehr  geben. Schon vor der Währungsunion und besonders danach enterten eine große Menge von dubiosen Leuten und Unternehmen das untergehende Schiff. Mc Kinsey & Company Inc.(ein führendes Wirtschaftsberatungsunternehmen), die Bergers und Co., die Rotenberger, die Treuhand mit ihrer hochdotierten  Frau Breuel an der Spitze und viele andere Piraten  leisteten ganze Arbeit. Ihr Auftrag war klar formuliert : Prüfung der Betriebe und Unternehmen mit dem Ziel der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes mit der Wegweisung, die betrieblichen Rentabilitäten unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zu erreichen. Mit der Wirtschafts- und Währungsunion entstand durch Vertragsstornierungen eine äußerst angespannte Lage für den Industriezweig. Mit der Einführung der D-Mark gab es auch einen veränderten Umrechnungskurs für den Rubel und anderer Verrechnungswährungen. Über Nacht wurde die “ harte “ DM die Basis für Liefer- und Absatzverträge. Nicht mehr der jahrzehntelang übliche Warenaustausch mit vielen Ländern  mit entsprechender Verrechnung gegenseitiger Lieferungen  und Leistungen auf der Basis transferierbarer Währungen prägte die Beziehungen.

Logische Konsequenzen waren fast völlige Vertragsstornierungen, hohe Verluste, Kurzarbeit, Umwandlung der VEB`s in Kapitalgesellschaften usw., es folgte die schrittweise teilweise kriminelle Vernichtung eines bedeutenden Zweiges deutscher Werkzeugmaschinen-Hersteller.

Die Werkzeugmaschinen- und Werkzeugindustrie der DDR hatte sich mit einem umfassenden Programm auf der Europäischen Werkzeugmaschinenausstellung mit weltweiter Beteiligung, der EMO Hannover vom 12.-20.Sep. 1989 würdevoll letztmalig  auf der internationalen Bühne der Werkzeugmaschinen-Hersteller dargestellt.

 

          

 

 

Die Entwicklung  des indischen Werkzeugmaschinenbaues und dessen Bedeutung für die Erringung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit des Landes.

Der Verfasser konzentriert sich  in seinen Ausführungen über die Entwicklung des indischen Werkzeugmaschinenbaues besonders  auf die Zeit bis etwa 1975, weil gerade diese Zeitspanne von 1947 bis sagen wir 1965, als doch sehr interessant und charakteristisch für indische Verhältnisse sich darstellen lässt und deshalb doch etwas ausführlicher zu beschreiben wäre.

Nachdem die Indische Union 1947 nach langen Kämpfen gegen das britische Kolonialjoch die Unabhängigkeit erlangte, stand die Regierung vor der großen Aufgabe, eine lebensfähige Wirtschaft aufzubauen. Die Lösung dieser Aufgabe war für den jungen Staat ausschlaggebend für den Aufbau der politischen Unabhängigkeit und den Erhalt der territorialen Einheit des Staates, da Bestrebungen im Gange waren, Indien zu teilen und diese bereits mit englischer Hilfe im Falle Pakistan Erfolg hatten. Das vorhandene Wirtschaftsgefüge war völlig disproportioniert und hatte weder industriellen noch agrarischen Charakter, da selbst die Agrarprodukte nicht ausreichten, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Hinzu kamen die Widersprüche zwischen den einzelnen Staaten der Union, die unterschiedlich entwickelt und bevölkert waren, sowie innenpolitische Schwierigkeiten mit Maharajas, religiöse und sprachliche Auseinandersetzungen. Trotz allem gab es günstige Voraussetzungen für den Aufbau einer Wirtschaft, durch das Vorhandensein von Bodenschätzen und den Akkumulationsquellen der nationalen Bourgeoisie, Großgrundbesitzer, Maharajas, Tee- und Gewürzplantagenbesitzer, dem Handelskapital und den schon bestehenden Fabrikanten, vornehmlich in der Textilbranche.

Die erste Notwendigkeit für den Aufbau einer Industrie hatte der 2.Weltkrieg geschaffen, da das zwangsläufige Ausbleiben der Importe aus dem Mutterland Groß-Britannien zur Eigenproduktion zwang. Der daraus entstandene Aufschwung war von der Initiative privater Unternehmer getragen. Nach  Beendigung des Krieges machte sich wieder eine stark rückläufige Tendenz bemerkbar, doch Ansätze für eine indische industrielle Produktion waren gelegt.

So kam es zu der Regierungserklärung vom 6. April 1948, in der die Bedeutung der Wirtschaft und die Notwendigkeit einer Produktionssteigerung erklärt und die progressive und aktive Rolle der Regierung bei der Entwicklung der Industrie festgelegt wurde. Gleichzeitig wurden Wirtschaftsgebiete, wie die Produktion von Waffen und Munition, Atomenergie und Eisenbahntransport, später auch der Lufttransport zu Staatsmonopolen erklärt. Auf der Grundlage der Regierungserklärung und dessen Bestimmungen wurde die Basis geschaffen für den Beginn einer Planwirtschaft, die 1950/1951 mit dem ersten 5-Jahrplan begonnen wurde. Es waren drei Hauptgründe, die es erforderlich machten, die Grundindustrie und den Außenhandel in staatliche Kontrolle zu nehmen. Da war erstens die Notwendigkeit ,dem Charakter des Staates eine bestimmte Zielrichtung zu geben über die politische Entwicklungsform und die Politik des non alignment zu sichern, zweitens die Bildung von Voraussetzungen für die Planung und die Kontrolle über die wichtigsten Zweige, sowie drittens das damalige Unvermögen der Bourgeoisie, die erforderlichen hohen Investitionen der Grundindustrie durchzuführen.

Der erste Plan war voller Mängel, ohne Erfahrungen und Grundlagen aufgebaut und außerdem bezog er nicht alle Industriezweige in die Planung mit ein. Er musste ständig korrigiert werden, Planziele wurden nicht erreicht oder weit übererfüllt. Es fehlte an ausreichender Kontrollmöglichkeit.

Bei der Stabilisierung des Bevölkerungszuwachses, bei der Erhöhung des Anteiles der Industriebevölkerung im Verhältnis zur Landbevölkerung, bei der Agrarproduktion zur Deckung des eigenen Bedarfs und letztlich beim Aufbau einer Grundstoffindustrie wurden kaum Erfolge oder Verbesserungen erreicht.

Die angewendeten Kontrollmechanismen, die Industrielizenzierung trug aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu bei, dass nach Ausgabe der Lizenzen und Ablauf einer entsprechenden Zeit Waren  und Erzeugnisse im Umfang der ausgegebenen Lizenzen auf dem Markt erschienen.

Der zweite 5-Jahrplan hatte eine besondere Bedeutung für den erweiterten Aufbau der Industrie speziell auf dem Gebiet der Eisen- und Stahlgewinnung, der Schwerindustrie und der Grundstoffchemie. Durch Valutaschwierigkeiten 1957 konnten viele Planinvestitionen nicht erreicht werden, u. a. Düngemittel und schwere elektrische Ausrüstungen. Es kam jedoch zum Aufbau der Stahlwerke Bhilai, Rourkela, Durgapur und zur Modernisierung der privaten Stahlwerke TISCO und TATA .

Der dritte 5-Jahrplan orientierte auf der Ausnutzung der vorhandenen Kapazitäten. Der Mangel hierbei lag ohne Zweifel in dem Fehlen genügend ausgebildeter Techniker und Facharbeiter, sowie des bereits erwähnten chronischen Valutamangels, d.h. die negativen Zahlungsbilanzen. Die Orientierung des dritten Planes gab vor, trotz Eigenbedarfs, den Export zu erweitern. Tatsächlich war es gelungen, neben den traditionellen Exportgütern, auch Produkte des Maschinenbaues zu exportieren, hierunter interessanterweise auch Werkzeugmaschinen nach Europa.

Der Werkzeugmaschinenbau und seine Entwicklung standen bei dem Aufbau der Pläne nicht an erster Stelle, aber doch im Mittelpunkt der planmäßigen Entwicklung der Wirtschaft. Unter verschiedenen Losungen wie “ Baut Maschinen - Baut Indien “ wurde die Bedeutung dieses Zweiges publiziert. Der dritte 5-Jahresplan sah folgende Entwicklung des Maschinenbaues vor in Mio Rs (1956)

·                                     1951    1956    1961    1966    1971    1976

·       Grundlage 2. Plan   362    384     408     434     465     500

·       Grundlage 3. Plan   362    391       431    480     528     568                

·       Bevor  der Verfasser auf die eigentliche Entwicklung des indischen Werkzeugmaschinenbaus eingeht, scheint es angebracht ,eine Besonderheit zu erwähnen im Vergleich mit europäischen Herstellern von Werkzeugmaschinen. Dieser Industriezweig in Europa war vom Beginn an  in seiner Entwicklung in ein organisiertes Wirtschaftsgefüge mit bestimmten Regeln und Grenzen eingebaut, wie z. B. die Normen der Güte und Qualitätskontrolle. Die Existenz dieser Normen  mit fast internationalen Charakter garantieren eine Mindestqualität aller auf den Markt kommenden Erzeugnisse. Also auch international vergleichbar. Anders war es in Indien. Es gab dort Produzenten von Maschinen mit einer im Wertmaßstab konkurrenzfähigen Qualität, von Maschinen mit ungenügender und mit völlig unzureichender Qualität. Diese mangelhaften Erzeugnisse sind mit der Existenz einer besonderen Art von  Produzenten verbunden, deren Bildung historisch gesehen mit der Entwicklung und dem Entstehen des indischen Werkzeugmaschinenbaus zusammenhängt. Die ersten Anfänge einer Produktion fallen in das Jahr 1935, obgleich statistisch seit 1890 eine Fertigung registriert ist. Die Produktionsziffern dieser Jahre lassen sich  nur in Stückzahlen ausdrücken und überstiegen kaum eine Jahresproduktion von 100 Stück.. Diese Zahl verteilte sich auf verschiedene Produzenten und auf vier verschiedene Maschinenarten, wie Drehmaschinen, Kurzhobler, Pressen und Bügelsägen. Maschinen, die für die Reparatur in eigenen und örtlichen Fabriken verwendet wurden. Eine Beeinflussung des Importes, der zur damaligen Zeit einen Wert von etwa 20 Mio. Rs

(eine Rs = 0,85 DM), ist durch diese Produktion nicht zu erwarten gewesen.

Eine Vergrößerung der Produktion und Ausdehnung der Sortimentes  wäre möglich gewesen, aber keiner dieser Produzenten wagte das Risiko. Erst der 2.Weltkrieg und der Wegfall der englischen Konkurrenz brachte eine Änderung. Hinzu kam die Unterstützung der Regierung mit der “ The Machine Tool Order “ von 1942, die eine Förderung durch  zur Verfügungstellung von fehlenden Ausrüstungen und Technikern vorsah. Dadurch stiegen die Produktionsziffern 1942 bereits auf 1800 Maschinen / Jahr und 1945 wurde ein Ausstoß von 11.000 Maschinen erreicht. In der Zwischenzeit wurden Qualitätsbestimmungen festgelegt, die auf den Grundsätzen  Dr.Schlesinger aufbauen und heute noch mit geringen Abweichungen in Kraft sind. Die entstandenen Produktionsstätten waren auf verschiedene Gebiete Indiens verteilt und insbesondere stark in dem nördlichen Teil des Landes vertreten. Die Entstehung war mit der Existenz einzelner Industrien, speziell der Textilindustrie  verknüpft.

Nach Beendigung des 2.Weltkrieges stand die junge Industrie mit dem Einsetzen der Konkurrenz und dem Wegfall der staatlichen Unterstützung vor dem Zusammenbruch. Die Produktionsziffern fielen rapide und erreichten 1950 einen Jahreswert von 290.000.- Rs. Die Erzeugnisse waren nicht in der Lage auch nur annähernd mit den ausländischen Waren zu konkurrieren und so blieb der Absatz im wesentlichen auf die Small Scale Industrie der nördlichen Gebiete beschränkt. Nur diese Kleinbetriebe mit handwerklichen Charakter, die teilweise auch Werkzeugmaschinen produzierten, waren in der Lage diese Erzeugnisse zu verwerten. Der Mangel an Qualität lag somit in der Verwendung dieser mangelhaften Erzeugnisse selbst begründet.

Nur eine Fertigung mit modernen Maschinen und einer modernen Konstruktion hätte ein Produkt schaffen können, das auf dem Markt gegenüber der Konkurrenz bestanden hätte. Eine derartige Fertigung verlangt aber eine hohe und gezielte Investition.

Der Bourgeoisie fehlte es an Erfahrung und Einsicht in die Notwendigkeit des Risikos. Entscheidend war auch zu diesem Zeitpunkt die niedrigen Profitraten, langsame Amortisation der Investitionen und das Fehlen technischer Sicherheiten, um konkurrenzfähig zu sein.

Erst nachdem der Staat die Initiative ergriff um den Aufbau der Wirtschaft voranzutreiben, trat eine Veränderung ein. Die Grundlage legte der 1. Fünfjahrplan mit der Gründung von zwei staatlichen Betrieben, der Fa. Hindustan Machine Tool LTD (HMT) und der Machinetool Prototyp Factory in Ambernath. Die Standorte dieser Fabriken, mit ausländischer technischer und finanzieller Hilfe aufgebaut, wurden nicht willkürlich gewählt. Die Gründe für die Wahl der Standorte waren von technischen und innenpolitischen Faktoren beeinflusst, denen sich ökonomische Gesichtspunkte mit der Standortfestlegung in Bangalore unterzuordnen hatten. Alle einheimischen Stahlwerke lagen im Norden und die dortige Arbeitskräftesituation wäre damals geeigneter für die Fertigung von Werkzeugmaschinen gewesen. Die entscheidenden Faktoren waren jedoch:

            1 ) ein ausgeglichenes Klima, gegeben durch ein Hochplateau, was eine wichtige Voraussetzung für die Fertigung von Präzisionsmaschinen ist,

            2 ) die relative Hafennähe (Madras),

            3 ) die notwendige Industrialisierung des Südens und wirtschaftliche Bindung an den Norden.

Die Bedeutung der Produktion von Werkzeugmaschinen wurde erkannt und der planmäßige Aufbau dieses Industriezweiges  vorgenommen. Es wurden Expertenkommissionen gebildet, deren Empfehlungen dem 1957 gegründeten Entwicklungsrat für Werkzeugmaschinen zugeleitet wurden und mitentscheidend für die Auswahl der Produkte und der Produktionskapazitäten waren.

Der von diesem Komitee eingeschätzte Bedarf an Werkzeugmaschinen des 2. Fünfjahrplanes  betrug 730 Mio Rs. Das war natürlich eine enorme Steigerung zu den erreichten Zahlen des Vorjahres. Entsprechend diesem rasch wachsenden Bedarf musste der 2. Plan Voraussetzungen für eine Steigerung der Eigenproduktion schaffen und wurde somit damals zu einem Markstein für den Aufbau einer organisierten Fertigung in größerem Umfang. Von diesem Zeitpunkt an existierte eine Dreiteilung der Industrie: der organisierte geplante Bereich der staatlichen Industrie, die private Industrie und der unorganisierte Bereich der Kleinindustrie.

Zum staatlichen Sektor zählten in dieser Phase drei Betriebe, von denen zwei mit einem Ausstoß von 1,9 bzw. 2,0 Mio/Jahr keine besondere Bedeutung hatten, wenn man diese Zahlen vergleicht mit dem Ausstoß eines mittleren VEB der DDR von ca. 15 Mio. Eine hervorragende Rolle spielte die Fa. HMT als dritter staatlicher Betrieb, der allein innerhalb des 2. Planes den Ausstoß hochwertiger Maschinen von 135 auf  1002 Stck. steigerte und bemerkenswert den Nettoprofit im gleichen Zeitraum von 0,4 auf 7,4 Mio Rs erhöhte. Der organisierte private Sektor blieb bereits in der Qualität und dem Umfang der Produktion weit hinter der Fa. HMT zurück.

Trotzdem kam es zu einer Anzahl von Neugründungen und der Erweiterung der ca. 8 bestehenden größeren  Firmen. Auf Grund der hierfür erteilten Industrielizenzen wurden Kapazitäten im Werte von 18 Mio Rs geschaffen. Die Standorte dieser Betriebe lagen in den Industriezentren, die sich im Laufe der Zeit in der Nähe der größten Häfen Bombay und Kalkutta entwickelt haben. Die Entwicklung des Zentrums in Kalkutta lag außerdem in der Nähe der Stahlindustrie und besaß somit eine größere Bedeutung. Außerdem waren größere räumliche Ausdehnungsmöglichkeiten vorhanden als in Bombay und die Reservearmee der Arbeitskräfte  ging in die Millionen.

Diese Faktoren waren für die Entwicklung der Industrie von großer Bedeutung, außerdem verfügte Kalkutta in dieser Zeit über eine bessere Stromversorgung.

Die Kleinindustrie 1957 aus 344 Betrieben bestehend, hatte 1955 einen Ausstoß von 0,82 Mio und 1956 1,3 Mio. Bedeutend war, dass mit dieser Steigerung des Volumens vereinzelt auch eine Steigerung der Qualität parallel ging. Wobei diese Fertigung durch Kapazitätserweiterungen nicht als Kleinbetriebe anzusprechen waren, doch die Besitzer wollten diesen Status aus Steuergründen beibehalten. Eine Anhäufung der Kleinindustrie im Norden ergab sich aus der Teilung in Pakistan und Indien.

Die ausgewiesenen Hindus wollten in der Nähe Pakistans bleiben und gründeten mit den vorhandenen Erfahrungen im alten Beruf  kleine handwerkliche Fertigungen. Somit entstanden allein in Batala und Ludhiana 250 dieser Kleinbetriebe.

Neben diesem historisch bedingten Zentrum der Kleinindustrie entstanden die anderen im Schatten der großen Städte und Fabriken mit staatlicher Lenkung und Unterstützung.

Zur Charakterisierung der Gesamtentwicklung  des Werkzeugmaschinenbaues  in der Zeit von 1947 bis 1960, eine doch sehr entscheidene Entwicklungsphase, nachstehend einige Zahlenangaben in Mio Rs, die doch einen recht imposanten Entwicklungstrend in relativ kurzer Zeitspanne aufweist, trotz der enormen Schwierigkeiten und Hinterlassenschaften, die das Land Indien zu überwinden hatte.

·                                                            

·       Jahr                      Produktion Indien                 Produktion HMT                  Import

·       1941-1945                         26,00                                                                           51,40

·       1946-1950                         26,80                                                                         163,30

·       1951-1955                         25,90                                                                         169,90

·                 1956                        12,00                                       2,88                             83,70

·                 1957                        25,10                                     12,40                           146,43

·                 1958                        37,60                                     10,52                           153,10

·                 1959                        43,90                                     24,64                           976,40

·                 1960                        55,00*                                   30,62                           260,00

·                 1961                        77,17                                     40,50                           260,00

·       Alle angegebenen Werte in Mio Rs

·       * Die DDR-WMW-Produktion lag zu diesem Zeitpunkt bei Mio Rs 674,00                                           

 

Aus den Werten des Jahres 1961 der Eigenfertigung sind zwei Bestandteile besonders zu erwähnen, nämlich der nach dem Weltmaßstab wertlosen Maschinen der Kleinindustrie mit 20,0 Mio und den konkurrenzfähigen Erzeugnissen der Fa. HMT mit 40,50 Mio. Letztgenannte Zahl war ein nicht zu unterschätzender Fortschritt, der sich auch im Anteil der durchgeführten Investitionen der Fa. HMT mit 10 Mio an den insgesamt im Industriezweig durchgeführten Investitionen von 45 Mio ausdrückt.

 

Die Eigenfertigung verteilte sich bis1961 auf folgende Gebiete der Republik Indien:

 

·       Name des Staates             Lizenzierte Firmen des Masch.-Bau            Smal-Scale

·                                                

·       Maharashtra                                  37                                                                    6

·       West Bengalen                              29                                                                  28

·       Punjab                                           11                                                                250

·       Madras                                            9                                                                  11

·       Delhi                                               4                                                                  12

·       Mysore                                           3                                                                    4

·       Uhtar Pradesh                                 3                                                                    -

·       Kerala                                              2                                                                    -

·       Gujarat                                            1                                                                  30

·       Andra Pradesh                                1                                                                    -

·       Madhya Pradesh                             -                                                                     1

·       Bihar                                               -                                                                     1

·                                                

Weltweit hatte die Produktion von Werkzeugmaschinen stetig zugenommen. Nachstehend ein Vergleich der Entwicklung aus den Jahren 1959 und 1960. Werte in  (Rs crores).

 

·       Land                                             1959                            1960

·       USA                                              304,40                         369,50

·       UdSSR                                          239,00                         282,50

·       BRD                                              218,50                         264,00

·       GB                                                107,00                         125,10

·       DDR                                               65,20                           67,40

·       Frankreich                                       62,70                           75.40

·       CSSR                                              57,00                           63,00

·       Schweiz                                           47,80                           50,00

·       China                                               35,30                           36,90

·       Japan                                               28,55                           34,75

·       Italien                                              28,55                           51,75

·       Schweden                                       13,08                           15,20

·       Argentinien                                     10,86                           10,86

·       Canada                                              6,52                             6,52

·       Indien                                                4,39                             5,50

 

Bemerkung: bei der DDR handelt es sich um den reinen Werkzeugmaschinenbau, der Schwermaschinenbau ist nicht enthalten wie bei den USA, UdSSR, BRD und England.

Indiens Werkzeugmaschinenbau hatte im Zeitraum 1956 bis 1961 eine doch recht enorme Entwicklung genommen. Besonders haben sich in diesem Zeitraum Unternehmen hervorgetan mit ausländischen Kooperationen und Lizenzproduktionen im staatlichem sowie privatem Sektor. Als Beispielgebend seien genannt:

                        Heavy Engineering Corp., Ranchi

                        HMT, Bangalore

                        Praga Tools Corp., Hyderabad

                        Prototype Factory, Ambernath

                        Kirloskar Coopers, Poona , Exell Ö und Texmaco

                       

Im Bereich der Lizenzproduktion hatte besonders HMT in relativ kurzem Zeitraum bei der Herstellung der Werkzeugmaschinen den Anteil der Eigenfertigung gesteigert und die Kosten der Fertigprodukte zu Importen niedriger halten können.

 

 

·       Eigenfertigung bei HMT für Lizenzprodukte Stand 1962

·       Hochgenauigkeits- Drehmaschinen                      97%

·       Fräsmaschinen                                                       94%

·       Radialbohrmaschinen                                            91%

·       Einfachdrehmaschinen                                          95%

·       Schleifmaschinen                                                  43%

·       Revolverdrehmaschinen                                        95%

Bei dem Kostenvergleich HMT-Produkte zu Importerzeugnissen sah es 1962 u.a. folgendermaßen aus.( Die Qualitätsunterschiede wurden nicht berücksichtigt bzw. bewertet )

 

 

 

Erzeugnisgruppe                                           HMT                           Import

Hochgenauigkeitsdrehmaschinen                   Rs 33.000.-                  Rs 46.000.-

Fräsmaschinen                                     Rs 39.500.-                  Rs 50.770.-

Radialbohrmaschinen                                      Rs 35.000.-                  Rs 42.999.-

Einfachdrehmaschinen                                    Rs 19.200.-                  Rs 22.096.-

Schleifmaschinen                                            Rs 35.000.-                  Rs 50.712.-

Revolverdrehmaschinen                                  Rs 44.000.-                  Rs 56.294.-

 

Die Erfolge des indischen Werkzeugmaschinenbaues insbesondere 1961/1962 wurden natürlich auch politisch stark angesprochen und zur weiteren Motivation bewusst verwendet so u.a. :

 

The Battle for India`s

Economic Freedom

will be won in its

Machine Building Factories

HMT

builds the mother machines  that build all other machines

 

Obwohl es doch enorme Schwierigkeiten im Lande selber zu diesem Zeitpunkt gab. Die positive Entwicklung des indischen Werkzeugmaschinenbaus ist aus heutiger Sicht unstreitbar und war in erster Linie dem Staatlichen Sektor zuzuschreiben. Im gesamten Rahmen der indischen Wirtschaft hatte dieser Zweig 1961/1962 mit 30,25 % die höchsten Zuwachsraten. Die Gesamtzuwachsrate der Industrie betrug im gleichen Zeitraum nur 14 %. Trotzdem wurde die Regierungspolitik, die ohne Zweifel entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung hatte, von der privaten Industrie, die in der Indian Machine Tool Manufakturer Association zusammengeschlossen ist, angegriffen. Einige Vorwürfe schienen zu Recht gewesen zu sein. Die Hauptschuldigen waren jedoch die innenpolitischen Spannungen, da die Erfüllung der Forderungen eine Veränderung der gesamten Wirtschaftspolitik zur Folge gehabt hätten. Der Grundtenor der Vorwürfe richtete sich gegen die Aufteilung in staatliche Monopolindustrien und die Grundindustriezweige, in denen der Staat die Führung übernahm und sich den Aufbau von Großbetrieben selbst vorbehielt. Hierdurch waren dem stark gewordenen Monopolkapital wichtige Schlüsselpositionen versagt. Die Forderung nach Aufhebung dieser Barrieren wurde besonders während des Chinakonfliktes erhoben. Durch eine künstlich erzeugte Kriegssituation wurde im Interesse der Nation der Einsatz aller Mittel, somit auch der des Kapitals der Monopole und der ausländischen Konzerne für den Aufbau einer Verteidigungsindustrie gefordert, in die unter anderem auch die Werkzeugmaschineindustrie einbezogen werden sollte. Ein weiterer Vorwurf war die Bezeichnung des Aufbaues der HMT-Betriebe als Fehlinvestition. Mit dem gleichen Geld glaubte die private Industrie bessere Resultate zu erzielen und die Forderungen gingen dahin, staatlicherseits finanziell unterstützt zu werden, um das Risiko der hohen Investitionen zu teilen. Diese Forderung bestand zu Recht, denn nur wenige größere Betriebe besaßen in diesem Zeitraum ausreichende Voraussetzungen für eine qualitätsgerechte Produktionsmöglichkeit für Werkzeugmaschinen. So fehlte es u.a.:

- der Werkzeug- und Vorrichtungsbau

- Verwendung von Vorrichtungen

- Verwendung moderner Mess- und Prüfmittel

- technischen Zeichnungen

- Konstruktionsbüro

- organisierte Technologie

- Wareneingangskontrolle

- ausreichender Kooperationsdienst

- Austauschbarkeit der gefertigten Teile, mittels Verwendung von Normteilen

- wenig mechanische Hebe- und Transportmittel

- Klimaanlagen

- Lehrausbildung

- modernen Maschinen

Betrachtet man die mit der Durchführung der gesamten Investitionen verbundenen notwendigen quantitativen und qualitativen Verbesserungen des Personales war es verständlich, dass sich der private Produzent vor diesen Ausgaben drückte. Solange jedenfalls wie der Absatz seiner Erzeugnisse gesichert war. Einige der privaten Produzenten nahmen die Fertigung von Werkzeugmaschinen nicht ernst, sondern betrachteten die Angelegenheit als Werbung für ihr eigentliches Produkt der Konsumgüterproduktion. Da die Fertigung von Werkzeugmaschinen als nationale Notwendigkeit popularisiert wurde, galt es als patriotisch, Werkzeugmaschinen zu fertigen. Die erwähnten Versäumnisse bei der Einrichtung der Produktion wirkten sich auf die Qualität der Erzeugnisse aus. Mit staatlichen Maßnahmen konnte der Verkauf im Lande durchgeführt werden. Die Produkte waren aber so schlecht und machten die Wirtschaft störanfällig. Hinzu kam die Unmöglichkeit des Exportes, der im asiatischen Raum durchaus möglich gewesen wäre.

Bei der Einrichtung der Fa. HMT wurden diese Fehler nicht gemacht, indem man den kompletten Aufbau des ersten Betriebes der Schweizer Firma Oerlikon übertrug. Obgleich dieser Schritt von in- und aländischer Seite stark kritisiert wurde, erwies sich diese Maßnahme als richtig und richtungsweisend. Die privaten Produzenten wurden gezwungen, um konkurrenzfähig zu bleiben, qualitativ hochwertige Produkte zu fertigen. Auf einigen Gebieten entstand in den Folgejahren eine Überproduktion, so z.B. bei der Herstellung von Drehmaschinen und diese zwang zum Konkurrenzkampf bzw. Produktionseinstellungen. Zu dieser Zeit konnten die privaten Produzenten auf Typen ausweichen, die noch nicht im staatlichen Sektor gefertigt wurden.

Mit dem Aufbau und weiteren Vervollständigung der HMT-Betriebe ging eine gründliche Ausbildung von Ingenieuren parallel, die den Aufbau weiterer Betriebe ohne ausländischer Hilfe möglich machte. Gleichzeitig wurden Grundlagen für eine Normung geschaffen und mit dem Aufbau eines Institutes für Werkzeugmaschinen begonnen.

Der Nutzen der Staatsbetriebe HMT lag nicht allein in dem Aufschwung des eigenen Industriezweiges, sondern diente dazu, die Industrialisierung des ganzen Landes voran zu treiben und als Mittler zwischen moderner Technik und indischen Bedingungen zu wirken.

Ab 1961 bemühte sich die indische Wirtschaftsführung fördernd auf den Import von ausländischem know how zu wirken. Eine halbstaatliche Einrichtung, das Indian Investment Centre hatte die Aufgabe, ausländische Firmen bei der Kapitalbeteiligungen und den Abschluss von Lizenzverträgen zu beraten und zu unterstützen. Das größte Problem, mit dem die Lizenzgeber konfrontiert waren, war das Steuergesetz. Die Hälfte der vereinbarten Lizenzgebühren wurden von den Steuerbehörden über den Lizenznehmer eingezogen. Wertet man die bis 1962 vergebenen Lizenzverträge auf dem Gebiet des Werkzeugmaschinenbaus aus, wurden 127 Verträge abgeschlossen. Von den 127 Verträgen wurden gerade mal 55 tatsächlich genutzt. Von den 72 Firmen, die eine Lizenzfertigung  aufbauen wollten, hatten 40 nicht die geringsten technischen Voraussetzungen. Trotzdem muss eingeschätzt werden, dass der Aufbau des indischen Werkzeugmaschinenbaus richtig erfolgte, nicht mit dem letzten Entwicklungsstand an Produkten zu beginnen, sondern sich an den Durchschnittsstand der Welttechnik anzulehnen. Dies bildete eine gute Ausgangsbasis für spätere Eigenkonstruktionen, die zur Weltspitze gehören werden, was sich in den folgenden Jahren auch abzeichnete. Gerade in der Zeit ab 1961 haben viele westeuropäische Werkzeugmaschinen-Hersteller Versuche unternommen zu hemmen, und wenn es durch kostenlose zur Verfügungsstellung veralteter Konstruktionen ging. Oder es wurden Angebote unterbreitet, welche eindeutig zum Nachteil des indischen Werkzeugmaschinenbaus gegangen wären. So unterbreitete 1961 die Vereinigung Westdeutscher Werkzeugmaschinenproduzenten der indischen Regierung einen Vorschlag über ein Lizenzabkommen. Diese Vereinigung produzierte insgesamt 71 verschiedene Maschinenarten in verschiedenen Größen. Die Lizenz sollte in der ersten Stufe über mehrere Jahre verteilt nur 5 Maschinenarten umfassen. Als Gegenleistung hierfür wurde das alleinige Importrecht für die eigenen übrigen 66 Produkte gefordert. Für diese Importe sollten außerdem Vorzugszollsätze veranschlagt werden. Weiterhin wurden neben Lieferung der gesamten Ausrüstung als Kapitaleinbringung eine Lizenzgebühr von 10% verlangt. Dieser Lizenzvorschlag wurde folgerichtig von der indischen Regierung abgelehnt.

Die Entwicklung des indischen Werkzeug- und Werkzeugmaschinenbaus hatte in den Folgejahren 

stets erhebliche Fortschritte verzeichnet. Über viele Jahre hinweg wurden jährliche Steigerungsraten bis zu 15 % erreicht neben der ständigen Verbesserung des technischen Niveaus, welches sich nur unwesentlich von den führenden Werkzeugmaschinenhersteller Europas unterscheidet. Die Bedeutung der Eigenproduktion wurde stets vorrangig betrachtet in der indischen Wirtschaftspolitik. Die Eigenproduktion wurde von Mahatma Gandhi für alle indischen Produkte proklamiert. Diese richtungsweisende Zielstellung wurde mit Sicherheit vom indischen Werkzeugmaschinenproduzenten bravourös gelöst und immer wieder wurde für Überraschungen durch Importverbote gesorgt. Viele Exporteure von Werkzeugmaschinen können davon berichten, wie schmal das “ green book “  geworden ist und das “ red book “ an Stärke ständig zugenommen hatte. Die indischen Werkzeugmaschinen-Industrie hat sich nach 1963 zu einem stabilen Faktor in der indischen Wirtschaft entwickelt und kann zu Recht als das Rückgrat der Ökonomie und Geschäftsaktivität Indiens bezeichnet werden. Besonderen Anteil haben daran z.B. HMT, Mysore Kirloskar, Lakshmi Machines, Batliboi, Premier Automobiles, Godrej and Boyce, Widia, Mico, Mannesmann Rexroth, Grindwell Norton, Sandvik Asia und viele andere Produzenten der Indian Machine Tools Manufacturers Association.

Es war über einen langen Zeitraum nicht zu übersehen, dass die indischen Werkzeugmaschinenhersteller doch an erheblichen Qualitätsproblemen zu leiden hatten. Die Hauptprobleme lagen im konstruktiven Bereich aber auch in den meisten Fällen bei den eingesetzten Maschinenbaumaterialien, also vom Guss über Stahlsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften, Bauelementen aller Art aus der Zulieferindustrie. Es fehlte aber auch an Langzeittests und bestimmten Erfahrungswerten des Maschinenbaues.

Die doch recht hohen jährlichen Steigerungsraten von 15 % gingen ab 1975 ständig leicht zurück und bewegten sich bei 5 - 6%, bedingt durch die sich verschlechternde Konjunkturlage in Indien und das hatte natürlich gewisse Auswirkung auf den Maschinenbau. Zwar konnte in den letzten Jahren die Produktion qualitativ verbessert werden, ohne jedoch bislang zufriedenstellende Erfolge im Exportgeschäft zu erreichen.

Ein Phänomen, was man in Indien immer wieder findet ist, dass es keine Kooperationsbereitschaft zwischen den einzelnen Betrieben und Wirtschaftszweigen gibt. Wäre eine gesunde Kooperation vorhanden, könnten viele Werkzeugmaschineninvestitionen verringert werden.

Nach Angaben des Branchenverbandes IMTMA wurden im Jahre 2000 in Indien Werkzeugmaschinen im Wert von rd. 6,3 Mrd. Rupien ( IR; 100 IR = ca. 4,70 DM ) hergestellt. Importierte Werkzeugmaschinen spielen weiterhin eine große Rolle, wobei diese sowohl aus Qualitäts- als auch aus Preisüberlegungen heraus beschafft werden. Im Jahre 2000 beliefen sich die Einfuhren auf rd. 4,26 Mrd. IR. Der Import an Gebrauchtmaschinen ist seit 1989 beträchtlich aus Kostenüberlegungen angestiegen. 

 

 

  Die ersten Werkzeugmaschinenlieferungen nach Indien ab 1945

 

Von regulären Maschinenlieferungen kann man erst ab 1954 sprechen. Von 1945 bis 1954 kam es zu Maschinenlieferungen über Drittländer, insbesondere über die Sowjetunion, England und Tschechien. Es handelte sich dabei in den Anfangsjahren um einfache Maschinen wie Innenrundschleifmaschinen, Flachschleifmaschinen, Radialbohrmaschinen, Trennmaschinen, Holzbearbeitungsmaschinen und Werkzeugschleifmaschinen. Die DDR-Produkte stammten überwiegend von noch nicht verstaatlichten Betrieben so u.a. Jung, Liebert und Gürtler, Saupe KG, Kärger, Berliner Werkzeugmaschinenfabrik (vormals Hasse und Wrede), Maschinenfabrik Cottbus und anderen.

Besonders engagiert zeigten sich die Handwerkskammern und die sich entwickelnde Kammer für Außenhandel mit seinem Präsidenten Lemmnitzer, den Handel mit Indien aufzubauen. Die Kontakte liefen überwiegend über Moskau zur indischen Seite.

Vorab eine generelle Bemerkung  zu den Beziehungen zwischen der DDR und Indien bevor wir das obige Thema fortführen.

Die Beziehungen zwischen der DDR und Indien hatten trotz der großen Unterschiede zwischen diesen Staaten hinsichtlich territorialer Dimensionen, Ideologie und wirtschaftlichen Interessen für beide Seiten eine weit größere Bedeutung als die offiziellen Statistiken des Warenaustausches erkennen ließen. Das ist auf politische Faktoren und auf die Auswirkungen der Aktivitäten am Rande des normalen Export- bzw. Importgeschäftes zurückzuführen. Dazu zählen meist immaterielle Leistungen oder Leistungen im Zusammenhang mit Lieferungen, die eine Flächenwirkung auf verschiedene Teile der Wirtschaft oder des öffentlichen Lebens ausüben.

Im politischen Bereich waren die Beziehungen für beide Seiten, insbesondere die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen auch ein globales Instrument für die Sicherung einer möglichst unabhängigen nationalen Entwicklung. Die DDR und auch die Indische Union hatten ihre Beziehungen zeitweilig stärker als Mittel zur Sicherung außenpolitischer Ziele eingesetzt, als für die Vertiefung der Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten selbst.

Die DDR war als Teil des sozialistischen Lagers und Gegenstand der Hallsteindoktrin sowie auf Grund ihrer sonst relativen Bedeutungslosigkeit für Indien ein geeignetes Instrument zur Gestaltung und Umsetzung  ihrer Schaukelpolitik zwischen den beiden großen Lagern in der Welt, insbesondere gegenüber den USA oder der BRD auf der einen  und der UdSSR bzw. dem sozialistischem Lager mit der DDR auf der anderen Seite. Dabei ging es Indien sowohl um eine erfolgversprechende Konstellation im Hinblick auf die permanenten Spannungen zu den Nachbarstaaten China und Pakistan, als auch um die Sicherung von Nahrungsmittelimporten zu günstigen kommerziellen Bedingungen. Sollte der Druck von außen zu stark werden, konnten die bilateralen Vereinbarungen mit der kleinen DDR leicht angepasst werden. Die DDR konnte anderseits die Beziehungen zu diesem bevölkerungsreichen und neutralen Staat als Beispiel einer gemeinsamen erfolgreichen antiimperialistischen Politik propagandistisch für den Ausbau der Beziehungen zu anderen jungen Nationalstaaten und für die angestrebte diplomatische Anerkennung nutzen. Der steigende Warenaustausch und vor allem die sich intensivierenden außenpolitischen Beziehungen blieben z.B. ohne negativen Einfluss auf den  Umfang der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen Indiens zu den imperialistischen Hauptländern. Damit erhielt die junge DDR ein praktisches Argument gegen die Bedenken anderer Staaten der Dritten Welt  zur Entwicklung von Kontakten mit dem östlichen Teil des ehemaligen Deutschen Reiches. Leider führte dieser extensive Ausbau der Kontakte der DDR als Folge der Bemühungen um eine breite diplomatische Anerkennung, auch aufgrund der bei den Partnern geweckten Erwartungen an die wirtschaftliche Stärke der DDR, zu einer Überforderung der ohnehin begrenzten Möglichkeiten des kleinen Staates. Auch wegen dieser Zersplitterung, die auf der Grundlage staatlicher Vereinbarungen und Abkommen erfolgte, konnten die Chancen zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Indien und der DDR zum beiderseitigen Vorteil nie voll genutzt werden. Hinzu kam politische Skepsis gegenüber der indischen Union, die weniger auf ökonomische Beziehungen zur DDR angewiesen war als umgekehrt und hinsichtlich einer Entwicklung seiner Außen- und Innenpolitik schwer festgelegt werden konnte. So entwickelten sich die Handelsbeziehungen DDR - Indien am Anfang dynamischer als in den späteren Jahren. Eine Einschätzung, die jedoch keinesfalls die zeitweilige Steigerung des Warenaustausches auf Teilgebieten negieren soll.

Die wichtigsten Ergebnisse in den bilateralen Beziehungen wurden 1954 erreicht mit der Unterzeichnung des ersten Handelsabkommen zwischen der DDR und der Regierung der Republik Indien. In diesem Abkommen wird die Errichtung einer Handelsvertretung der DDR in Bombay mit einer Agentur in Kalkutta sowie die Gewährung technischer Hilfe der DDR an Indien vereinbart.

Weitere wichtige Ergebnisse der bilateralen Beziehungen waren wie folgt im Folgezeitraum erreicht, welche letztlich die Handelsbeziehungen weiter ausbauten bzw. erst ermöglichten zum beiderseitigem Vorteil.

1955: Eine Regierungsdelegation unter der Leitung des Außenhandelsministers der DDR, Heinrich Rau, weilt anlässlich der Internationalen Industriemesse in Delhi.

1956: Eröffnung der Handelsvertretung der DDR in der indischen Hauptstadt. Ihre Verlegung von Bombay nach Delhi unter Beibehaltung von Niederlassungen in Bombay und Kalkutta war 1955 mit der indischen Regierung vereinbart worden. Die Unterzeichnung eines langfristigen Handelsabkommen Oktober 1955, das unter anderem vorsah, in Madras eine weitere Niederlassung der in Delhi bestehenden Handelsvertretung der DDR zu errichten.

1959 Eine Regierungsdelegation unter Leitung des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR,

Otto Grotewohl weilt in Indien.

1960 Unter Leitung des Stellvertreters des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR und Außenhandelsminister Heinrich Rau weilt eine Regierungsdelegation zu Wirtschaftsverhandlungen in Indien.

1963 Übereinkommen zwischen den Regierungen der DDR und Indien über die Organisierung einer gemeinsamen Schifffahrtlinie.

1966 Einweihung eines mit Unterstützung der DDR gebauten Kabelwerkes im Unionsstaat Kerala.

1967 Ein auf Beschluss der indischen Regierung eingerichtetes Büro indischer Handelsorganisationen nimmt seine Tätigkeit in Berlin auf.

1969 Abschluss eines langfristigen Handels- und Zahlungsabkommens zwischen der Regierung der Republik Indien und der Regierung der DDR. Eröffnung der Staatlichen Handelsvertretung der Republik Indien in der Hauptstadt der DDR.

1970 In Bombay wird eine Handelsgruppe Indien - DDR gegründet, die sich die Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zum Ziel setzt.

1971 Unterzeichnung des Planes über die  wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Indien und der DDR bis 1973. Zur kontinuierlichen Entwicklung der Außenwirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten wird in Leipzig eine Handelsgruppe DDR - Indien gegründet.

1972 In Leipzig findet die erste gemeinsame Sitzung des Vorstandes der Handelsgruppe DDR - Indien und des Vorstandes der Handelsgruppe Indien - DDR statt. Zwischen der DDR und Indien werden diplomatische Beziehungen hergestellt, der Status ihrer Missionen in Berlin und in Delhi wird auf die Ebene von Botschaften erhoben.

1974 Die Regierungen beider Staaten vereinbaren die Bildung eines Gemeinsamen Ausschusses für die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit.

1976 Offizieller Besuch des Ministerpräsidenten der Republik Indien, Frau Indira Gandhi, in der DDR. Sie besuchte u.a. wichtige Werkzeugmaschinenproduzenten in Berlin.

1977 Unterzeichnung eines Handels- und Zahlungsabkommens zwischen den Regierungen der DDR und Indiens. In Delhi findet die 2. Tagung des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses DDR-Indien statt.

1978 - 1989 kontinuierliche  Sitzungen des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses. 1979 weilt der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR auf Einladung des Präsidenten der Republik Indien in Indien zu einem offiziellen Besuch. Es kommt zur Unterzeichnung eines langfristigen Abkommens über die wissenschaftliche, industrielle und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit. Die oben genannten Vereinbarungen und Festlegungen sahen stets Warenlieferungen aus dem Maschinenbau vor und trugen wesentlich zum Ausbau der Handelsbeziehungen bei. Diese Beziehungen mussten hart erarbeitet werden von den Betrieben und Organisationen.

 

Bis 1956 wurden überwiegend die Maschinenbauprodukte über Drittländer geliefert, wie bereits erwähnt. Unter den Maschinenlieferungen fanden besonders solche Produkte Abnehmer wie für die Herstellung von : Fahrradnippel, Fahrradventile, Glühlampensockel bis hin zu Maschinen für die Herstellung  von Büroklammern. Außerdem wurden Werkzeugmaschinen einfacher Bauart geliefert, welche in ihrer Funktionen englischen Produkten entsprachen, so z.B. Sternrevolverdrehmaschinen.

Hauptproblem war in dieser Zeit, man kann sagen bis etwa Anfang 1960, dass die indischen Abnehmer immer noch nach alten Maßeinheiten arbeiteten, d.h. in Zoll und weiterhin die Stromspannung 420 V/ 60 Hz sowie in Tropenschutz THa vor sahen. Ebenso hatte die DDR-Seite enorme Lieferschwierigkeiten, da die Sowjetunion mit ihrer stalinistischen Kommandowirtschaft nur einen geringen Prozentsatz  der in der DDR hergestellten Produkte  zum eigenem Nutzen in der DDR, geschweige für den Export in andere Länder freigab.

Mit dem Aufbau der Handelsvertretungen in Bombay, Kalkutta und Madras wurden die Handelsmöglichkeiten des DDR Werkzeugmaschinenbaus wesentlich verbessert durch den Einsatz von Fachkadern aus der Industrie, bzw. deren beauftragten Verbindungspersonen.

 

 

 

 

Die Entwicklung des Absatzes von Werkzeugmaschinen nach Indien im Spiegelbild der

Entwicklung Indiens. Von der Lampensockeldrückmaschine bis zum

CNC-Bearbeitungszentrum

 

Die ersten Vertreter für Werkzeugmaschinen wurden gebunden, so u.a. durch Easun Engineering Madras, Machino Techno Sales Kalkutta, Sobha Singh and Sons Bombay, Relaible Machine Tools, Bombay um nur einige der ersten Stunden zu erwähnen.

Durch diese Vertreter wurde eine breite Palette von Werkzeugmaschinen geliefert. Die Aufzählung der Produkte würde Seiten füllen und sicherlich nur Langweile erzeugen.

Nachstehend eine Grobaufstellung der Hauptgruppen, welche in großen Stückzahlen nach Indien geliefert wurden im Folgezeitraum bis 1990:

 

Drehmaschinen unterschiedlicher Bauart

Walzendreh- und Schleifmaschinen

Plandrehmaschinen bis 8m Durchmesser

Spitzenlose Außenrundschleifmaschinen

Innen- und Außenrundschleifmaschinen

Wälzlagerschleifmaschinen

Läpp- und Honmaschinen

Zahnradbearbeitungsmaschinen unterschiedlicher Bauart ( Fräsen und Schleifen )

Fräsmaschinen unterschiedlicher Bauart, Gewindefräsmaschinen

Großteilbearbeitungsmaschinen ( Hobeln, Fräsen und Schleifen )    

Profilschleifmaschinen, Gewindeschleifmaschinen

Ein- und Zweiständer-Koordinatenbohrmaschinen

Union Bohrwerke in unterschiedlichen Baugrößen und Ausführungen

Sägetechnik, Abläng- und Zentriermaschinen

Umformmaschinen unterschiedlicher Baugrößen und Ausführungen

Plastverarbeitungsmaschinen

 

Im Hauptbüro des ehemaligen Außenhandelsbetriebes WMW wurden Handelskontore gebildet, so das Kontor 09 für Indien. In Indien selber wurden zeitgleich WMW-Kader bei den nationalen Vertretern eingesetzt. Vor Ort wurden somit die Anfragen nach Problemlösungen aufbereitet und in Zusammenarbeit mit dem Kontor in Berlin und der Industrie in Angeboten und Lösungsvorschlägen den indischen Partnern übergeben. Nachstehend eine Aufstellung der Entwicklung der Anfragen/ Objekte welche in den jeweiligen Jahren gestellt wurden. Ich bin der Meinung, dass selbige auch ein Spiegelbild darstellen der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens.

bis 1956 : Herstellung von Fahrradteilen, Trafo-Herstellung, Elektroschaltgeräte, Lampensockel

1957 :  Maschinen und Ausrüstungen für die Herstellung von Werkzeugmaschinen (staatlicher Sektor)

1958 - 1963: Herstellung von Gasflaschen, Elektrozähler, Spritzgeräte für Insektenvernichtung,^Autoersatzteile: Kühler, Schalldämpfer, Lampen, einfache Werkzeugmaschinen.

bis 1968 :  Diese Zeit war besonders geprägt von der Automobilindustrie zur kompletten Bearbeitung und Herstellung von : Kolben, Stoßdämpfern, Ventilherstellung, Motorblöcken, Kreuzgelenken und deren Teile, Getrieben, Antriebselementen etc.

Weiterhin wurden Objektanfragen gestellt und umgesetzt für die Bearbeitung von Großteilen unterschiedlichster Bearbeitungsaufgaben des sich entwickelnden indischen Werkzeugmaschinenbaues, des indischen Eisenbahnwesens, Pumpenherstellung, Handwerkzeugherstellung, Zucker und Zementindustrie.

In dem genannten Zeitraum wurden insbesondere Maschinen angefragt und geliefert :

Blechricht-, Umform- und Schneidemaschinen, Maschinenausrüstungen für den Werkzeugbau,

Zahnradbearbeitungsmaschinen, Innenrundschleifmaschinen und Bohrwerke unterschiedlicher Größen, sowie Bearbeitungsmaschinen zur Bearbeitung von Werkzeugmaschinen-Großteilen, z.B. HMT Ranchi.

1969-1975 Dieser Zeitraum wird als besonders schwierig eingeschätzt generell für den Absatz von Werkzeugmaschinen. Besonders 1968 kam es zur Abwertung der Rupie. Indien versuchte die Importe weiter zu drosseln und dies war zugleich ein Ausdruck wachsender Eigenständigkeit des indischen Werkzeugmaschinenbaues. Der Abschluss eines langfristigen Zahlungs- und Handelsabkommens zwischen der DDR und Indien brachte den notwendigen Schub im Ausbau des Handels zum beiderseitigem Vorteil. So auch für den Export von Werkzeugmaschinen der WMW - Betriebe.

Besonders in diesem Zeitraum wurden Anfragen umgesetzt aus der sich entwickelnden Klein- und Mittelindustrie, der Lehr- und Fortbildung, dem Zweiradsektor und der Stahlindustrie(Trenn- und Schneidetechnik, sowie Walzendreh- und Schleifmaschinen), aus der Verteidigungsindustrie mit Aufgaben für die Mess- und Zeittechnik,

Zahnradherstellung unterschiedlicher Systeme, Anfragen für die Massivumformung; Kurbelwellen, Achsen etc.

Gewindeherstellung durch Kaltverformung (Gewinderollen-, Richt- und Glättmaschinen)

Oberflächenbearbeitung (Innen - Außen)

Ein weites Feld der Anfragen war besonders in diesem Zeitraum nach Bearbeitungsmaschinen für den Bereich des Werkzeugbaues und der Feinwerkstechnik zu verzeichnen. Dazu zählten insbesondere die Lieferungen von Ein- und Zweiständer-Koordinatenbohrmaschinen, Optische - Profilschleifmaschinen, Gravierfräsmaschinen, Gewindeschleifmaschinen und Hochgenauigkeitsbearbeitungsmaschinen.

1976-1990 WMW konzentrierte sich in diesem Zeitraum besonders um Erweiterungsprojekte in unterschiedlichen Bereichen. Dazu zählten : die Wälzlagerherstellung, Großraumbaufahrzeuge, Zucker- und Zementindustrie, Großbehälterbau, der Eisenbahnwaggonbau, die PKW und LKW Produktionserweiterung, der Werkzeugmaschinenbau, der Druckmaschinenbau und die Automobilzulieferindustrie. Folgende Haupterzeugnisse wurden dabei geliefert im besagten Zeitraum: Wälzlagerschleifautomaten, spitzenlose Rundschleifmaschinen, Umformtechnik, Großzahnradbearbeitungsmaschinen bis 8000 mm Durchmesser, Großteilbearbeitungsmaschinen für die Aufgaben Drehen, Fräsen und Schleifen.

 

Nennt man alle indischen Firmen und Organisationen, welche WM-Maschinen im Einsatz haben bzw. hatten, würden sich Seitenweise Ausführungen ergeben. Ohne Wertung und Rangfolge eine ausgewählte Liste der Abnehmer und Kunden mit einem großem Anteil an WMW-Ausrüstungen, welche nationale und internationale Erfolge erreichten für den Aufbau der indischen Wirtschaft:

Bharat Forge Ltd., Bharat Gears Ltd., Escorts Ltd., India Radiators Ltd., Krishna Foundry Works, Motor Industries Co.Ltd., Rane ( Madras ) Ltd., Shriram Piston & Rings.Ltd, Tata Eng.&., Locomotiv Co.Ltd., Usha Telehoist Ltd., Mico Ltd., HMT, BHEL, Ruston Hornsby, BEM , Larson Tourbro, Ameteep, DGOF Avadi, Precision Tools and Comp., Escorts, Cooper, NEI-Jaipur, Asian Bearings, Tidco, KPC Ltd., Mahindra & Mahindra,The Mysore Kirloskar Ltd., BECO, Bajaj Auto, Bajaj Tempo, Shriram Bearings, TIDCO, Atlas Capco, Bharat Earth Movers, Hindustan Motors, Hindustan Aironautics, Suessen Textiles, Greaves Cotton, Ensfield, Engine Valves , Brakes India, Gabriel India, Hindustan Auto, Motors und Traktors, Kirloskar Oil Engines Ltd, India Piston, Eicher Traktors, Ashok Leyland Ltd., Crompton Greaves, Hindustan Brown Bovery , Mysore Electrical Ind,.Ltd., Toshiba Anand Lamps Corp., Vickers , Walchandnager Industries Ltd., Dowidat, Sandvik Asia, Bharat Ball Bearings, Precision Bearings Co.Ltd., Antifriction Bearings Corp., Batala Engineering., Marshal & Sons, Madras Forging, Jay Engineering, Utkal Machinery Ltd, Usha Forging, Modi Industries Ltd.,Tata, Telco, Wheels India, Dowidat, Bharat Eng. Jamnagar, Atlas Capco, Voltas, Widia, Maruti, Chogule, BECO Faridabad, Bemco,  Cooper, Dowidat, Maschinenfabrik Polygraph, Richardson & Guddas, Tidco,Rane, Lakshmi Machinery, Mysore Kirloskar, Priemier Automobiles, Mico, Mannesmann Rexroth, Godrej and Boyce,Toshiba,Frick India, Brake India, Greaves Cotton & Co.Ltd, McNeil, Suessen Textile Bearings Ltd., Ashok Leyland, Eicher Traktors, Ensfield India, India Piston Ltd., Kirloskar Oil Enginines Ltd., Simpson & Company, Standard Motor Produkt of India Ltd., Hackbridge - Hewittie & EasunLtd., Shriram Refrigeration Industries Ltd.,K.P.C. Ltd., Vickers Babcock, Walchandnager Industries Ltd., Utkal Machinery Ltd., T. Maneklar Mfg. Company Ltd., Madras Spindle Company Ltd., Lakshmii Machine Works Ltd., Tata Iron & Steels Ltd., Fit Tight Nuts & Bolts Ltd., Batala Engineering, Stahlwerke TISTC, IISCO, Bhilai, Rourkela, Durgapur.

Die oben genannte Aufstellung ließe sich noch weiter fortführen. Es ging nur darum aufzuzeigen, wo WMW seine Hauptkunden hatte. Wie schon eingangs beschrieben, hatte WMW nahezu 28.000 Werkzeugmaschinen bis 1990 nach Indien geliefert und hatte damit einen wesentlichen Beitrag geleistet beim Aufbau der Wirtschaft Indiens auf unterschiedlichen Gebieten.

 

Systematischer Aufbau eines stabilen Vertreternetzes, flächendeckend in ganz Indien nach

festgelegten Prinzipien, Richtlinien und Anforderungen.

Aufbau einer länderbezogenen äußeren und inneren Absatz- und Bezugsorganisation.

Aufgaben der technisch-kommerziellen Büros seit 1965 .

                    

Bis 1956 wurden lose Vertreterverhältnisse abgeschlossen mit indischen Firmen, welche selbst für ihre Produktion Werkzeugmaschinen benötigten. Sie sollten sich als Multiplikatoren erweisen für den Absatz auf der einen Seite sowie den Servicebereich, also dem after-sales-service Rechnung tragen. Wie schon genannt erwiesen sich Easun Engineering Madras, Machino Techno Sales , Sobha Singh and Sons sowie kleinere Händler als sehr wertvoll, den Bereich der Werkzeugmaschinen zu vertreten. Besonders hervorgehoben werden muss die Firma Easun Group of Companies, bereits 1939 gegründet durch Mr. K. Eswaran und Mr. K.R.Sunderam Iyer. Easun begann den Handel mit Fahrrädern und Motorrädern, sowie die Produktion von Transformern und Elektrostationen und deren Schaltanlagen. Die Handelsprodukte wurden erweitert durch HHE Power Transformatoren, Elektrokabel, Pumpen, Generatoren, elektronische und telefonische Komponenten und Schaltgeräte. Neben WMW Werkzeugmaschinen vertraten sie auf dem indischen Markt DIA Elektrotechnik und Heimelektrik. Besonders wichtig war für WMW, dass Easun in Indien über ein weitverzweigtes Büronetz verfügte, so u.a. Bombay, New Delhi, Calcutta, Tirupati, Coimbatore, Bangalore, Madurai, Guntur und Patna.

Die Leipziger Messen wurden als Handelsplatz genutzt. In dieser Zeit entstand auch das sogenannte Messemännchen, der Kopf als Weltkugel dargestellt und als Hut ein Turban.

Eine direkte Unterstützung der Vertreter, deren koordinierte Arbeit und andere Fragen des Handels mit den Erzeugnissen der WMW-Unternehmen wurde erreicht durch den Einsatz von Beratern/ Delegaten  in den sich ab 1955 gegründeten Handelsniederlassungen der DDR in Madras, Calcutta, Bombay und letztlich die Handelsvertretung der DDR in New Delhi. Diese Delegaten, meist erfahrene Mitarbeiter der WMW-Organisationen oder deren Vertreterorganisationen, wie die Handelskammer leisteten gerade in den Anfangsjahren eine hervorragende Arbeit mit den nationalen Vertretern.

Wobei man sagen muss, dass die Delegaten  auf Grund ihres Status nur eingeschränkt agieren konnten und sie mit vielen Aufgaben einer Handelsvertretung intern beauftragt waren und in ihrer Bewegungsfreiheit nicht immer die nötige Möglichkeit hatten.

Der direkte Einsatz von WMW-Fachpersonal ,Verkaufingenieuren sowie Serviceexperten wurde erst ab 1963 erreicht durch Stationierung bei den Vertretern. Es gab natürlich dabei oft hemmende Faktoren und Probleme. Die Entsendung von Experten wurde  durch subjektive und objektive Gründe beeinflusst . Extrem lange Wartezeiten bis es zur Entsendung kam, Visaprobleme (die Einreisevisa mussten beim Alliierten Kontrollrat eingereicht werden), langwierige Bearbeitung der Arbeitsverträge durch die indischen Behörden, Ausreisestop in Gefahrenzeiten (Konflikten mit Pakistan, China und Goa) und andere hemmende Faktoren  so u.a. die kaderpolitische Unbedenklichkeitserklärung  für die zum Einsatz kommenden Kader durch DDR-Behörden. Der Einsatz der WMW-Experten bei den Vertretern hat sich bewährt, wobei als Hauptaufgabe stand ,die nationalen Vertreter anzuleiten, deren Fachwissen über die Produkte zu vertiefen  und das Servicepersonal bei Schwerpunktaufgaben und Produkten mit neuer Technik einzuarbeiten. Weiterhin bestand die Aufgabe für die Experten gemeinsam mit den nationalen Vertretern Komplexangebote auszuarbeiten mit technologischen Lösungen für unterschiedliche Projekte aus der indischen Wirtschaft, Unterstützung bei Fachvorträgen, Konferenzen und Fachausstellungen sowie Messen und bei wichtigen Verkaufsverhandlungen.

Die Arbeit der Experten unterlag aber auch für viele Jahre erschwerten Bedingungen. Dies betraf vor allem ihrem Status. Sie waren Fremdarbeiter und waren somit einer besonderen Kontrolle der indischen Fremdenpolizei ausgesetzt. Das Verlassen des Einsatzortes musste angemeldet werde, so auch die Rückankunft. Oft wurden die Experten bestellt zu Befragungen, besonders wenn es um die Aufenthaltsverlängerung ging oder das Returnvisum. Die Personalakten pro Experte waren nicht gerade sehr dünn und gaben sicherlich viel Auskunft über das Wirken der einzelnen Experten.

Diskriminierungen und sonstige Behinderungen unserer nationalen Vertreter und der DDR-Experten  einschließlich der Kurzzeitdienstreisenden der WMW-Unternehmen durch westdeutsche Unternehmen, Organisationen, Verbände, Vertretungen und Einzelpersonen sprachen Bände und sind es nicht wert einzeln aufgezählt zu werden. Ihre anmaßende Großmannssucht, Verleumdungen und das von ihnen angedachte Vertretungsrecht als einzige Deutsche auf dem indischen Markt wird keiner weiteren Betrachtung unterzogen.

Das Ziel von WMW war, stets langfristige Vertreterbeziehungen aufzubauen um mehr Sicherheit in den Handelsbeziehungen zu erreichen. Jedoch musste sich WMW 1969 von zwei  nationalen Vertretern  trennen, da das Vertrauensverhältnis  doch stark gestört war und die Vertreter nicht mehr  der Entwicklung des Marktes und den Anforderungen gerecht wurden. Lange Zeit vertraute man auf einen einzigen Vertreter, die Firma Easun Engineering. Easun war gewillt diese Aufgabe zu erfüllen. Zu spät erkannte man das wahre Potential der südindischen Firma, der Norden und der Osten wurde wesentlich vernachlässigt. Die Geschäftsführung in der DDR, also WMW-Export-Import, die Exportlieferbetriebe und Ministerium des Außenhandel haben nicht die Gefahr erkannt, welche Folgen entstehen, wenn man einem einzigen Vertreter diesen großen Markt  überlässt. Außerdem wurde völlig  verkannt, dass eine südindische Firma im Norden nicht angenommen wird. Zur Unterstützung des Vertreters wurde das sogenannte Technisch-Kommerzielle Büro , genannt TKB WMW-Export-Import nach Bombay verlagert, womit eine gewisse Verbesserung und vor allem Kundennähe erreicht wurde.

Die Vertreterverträge, welche sich ausschließlich auf eine langfristige Zusammenarbeit orientierten, wurden mit jährlichen Arbeitsaufgaben an beide Seiten untermauert. Diese Arbeitsaufgaben umfassten Pläne der Verkaufstätigkeit, Marktanalysen, Maßnahmen der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Zahlungssicherheiten, Sicherung der Ausbildung im Servicebereich und Servicemaßnahmen, Ersatzteilversorgung, Kostenbeteiligungen in Abhängigkeit vom Umsatz und andere relevanten Maßnahmen zur Sicherung bzw. Steigerung des Absatzes von Werkzeugmaschinen.

In der Gesamteinschätzung zum Vertreter Easun Engineering muss aber gesagt werden, dass diese Firma mit WMW gemeinsam gewachsen ist, es bestand ein hohes Vertrauensverhältnis auf beiden Seiten. Easun war stets bemüht, Probleme des Marktes und Probleme von WMW einer Lösung zuzuführen. Easun trug wesentlich zur Rufbildwirkung des Industriezweiges WMW über eine langen Zeitraum bis zum Ende der DDR bei. Easun nutzte auch seine Kontakte zu indischen Regierungsbehörden um die Anerkennung der DDR voran zu betreiben. Es hat sich aber gezeigt, dass ein Vertreter auf dem indischen Mark nicht bestehen kann. Ein zweiter Vertreter musste her. Es ging einfach nicht mehr, denn Easun verlangsamte seine Aktivitäten auf der einen Seite und fühlte sich sicher durch die festen Vertreterrechte. Mitte der Siebziger wurde ein zweiter Vertreter, das Unternehmen Blue Star, gewonnen und vertraglich gebunden für den Norden. Die Zentrale in Berlin war sehr angetan vom modernen Management der Blue Star Organisation. Blue Star agierte von Bombay aus sowie Delhi und Calcutta. Ihre DDR Erfahrungen hatte sie bereits mit der Feinwerkstechnik. Der Maschinenbau war für Blue Star Neuland. Relativ schnell organisierte man eine  kleine Mannschaft aus Fachkadern, unterstützt vom TKB-WMW. Erfolge blieben nicht aus auf dem Gebiet über Endabnehmerlizenzen. Auf dem Gebiet der Stock & Sales Lizenzen waren sie sehr untätig. Die Behördenarbeit auf diesem Gebiet lag Blue Star nicht. Außerdem war das Risiko zu groß, machte Arbeit und das Geld floss erst sehr spät.

Easun schwächelte in dieser Phase sehr und wurde noch langsamer. Wir wollten eigentlich das Gegenteil erreichen. Blue Star hatte Mitarbeiter von Easun abgeworben und wollte mehr. Sie trugen ihr Anliegen in Berlin vor und wollten den gesamten indischen Markt übernehmen. In ihren Konzepten fehlte nur eine Sache und zwar die Umsatzaussichten. Für das TKB WMW, welches von Bombay nach Delhi verlagert wurde, ergab sich eine schwierige Zeit zwischen den beiden Vertretern. Hinzu kam noch die Doppelunterstellung des TKB s´ durch die Handelsvertretung, also dem MAH und auf der anderen Seite dem AHB WMW Export-Import Berlin. Trotz großer Einwände des TKBs´ und der handelspolitischen Abteilung wurden Blue Star weitere Gebiete zugeschrieben. Alle Zusagen, die bestehenden Niederlassungen von Blue Star, wie Hyderabad, Bombay, Bangalore und andere auf dem Gebiet des Verkaufes  von Werkzeugmaschinen zu aktivieren, liefen nur sehr schleppend an und auf Dauer mehr als unzureichend. Außerdem nahm Blue Star noch andere Werkzeugmaschinenlieferanten, welche eine ernsthafte Konkurrenz zu WMW waren, mit auf im Programm . Blue Star war einfach eine Nummer zu groß für WMM. Die anfängliche Euphorie war bald dahin, die Vertreterverträge ließen aber keine kurzfristige Änderung zu.

Glücklicherweise und mit etwas Nachhilfe durch das TKB erholte sich Easun wieder und man war in der Lage einige Maschinentypen als Alleinvertretungsrecht der Firma Easun wiederzugeben. Dies bezog sich hauptsächlich auf Wälzlagerbearbeitungsmaschinen und Umformtechnik, hatte aber zur Folge, dass Blue Star weiter nachließ mit seinen Aktivitäten und Mitte der Achtziger aufgab. Man rekrutierte noch einen neuen Vertreter, die Fa. Perfect Machine Tools.

Viel Zeit blieb dieser Firma nicht mehr, WMW trieb eine neue Form der Vertretung voran, nämlich eine gemischte Gesellschaft, die WEMEX- INDIA Ltd. Bombay. Die volle Funktion wurde nicht mehr erreicht, die Wende hatte dieser Form der Vertretung keine Chance mehr gegeben, da die Lieferwerke von WMW der freien Marktwirtschaft zum Opfer fielen, sowie das Rupeepayment nicht mehr weiter Bestand hatte.

Wenn wir im o.g. Thema über die äußeren  und inneren Absatz- und Bezugsorganisationen gesprochen haben, müssen wir noch einige Worte über folgende Themen erwähnen, weil sie in gewisser Hinsicht doch einen Einfluss auf die Handelstätigkeit hatten. Und zwar über das Rupee-Payment, die Planwirtschaft der DDR und das Wirtschaftgefüge der Republik Indien und Tropentauglichkeit von Werkzeugmaschinen im Einsatz in Indien.

Das Rupee-Payment wurde 1969 im Handelsabkommen zwischen der DDR und der Republik vereinbart. Es sicherte für beide Seiten einen ausgewogenen Handel ohne Einsatz von frei konvertierbaren Währungen und vor allem eine Sicherung des Zahlungsverkehres. Bis 1969 kam es öfters zu enormen Verlusten durch die Abwertung der Rupee. Eine Goldsicherungs-Klausel in der Parität fehlte ebenfalls. Beide Seiten erwirkten ebenso im Handelsabkommen eine Kreditierung über zwei Jahre, welche im Rahmen des Swinges ausgelastet werden konnte. In den jährlichen Handelsabkommen wurden die Warenlieferungen verabschiedet entsprechend den Möglichkeiten und Interessen beider Länder. Die Preise wurden ausgehandelt mit den staatlichen Stellen STC sowie PEC und konnten nur verändert werden , wenn sich technische Verbesserungen oder Neuheiten ergeben haben mit ausführlichen Beweismitteln. Diese Verhandlungen waren sehr aufwendig und zeitraubend. Für unsere nationalen Vertreter war das Rupee-Payment ein gutes Verkaufsargument und natürlich Sicherheit beim Eingang der fälligen Zahlungen. Die Vertreter hatten kein Interesse, bzw. Anreiz, WMW bei der Durchsetzung eines gerechten Marktpreise Hilfe zu leisten. Auch auf der Basis des Rupee-Payments mussten sämtliche Importvorhaben lizenzmäßig über Actual user oder Stock&Sales beantragt werden. Diese zeitraubende Prozedur über 12 verschiedene Stufen der Bearbeitung und deren Komitees dauerten genau so lange, als wenn es sich um einen Import im Rahmen einer Investition mit frei konvertierbarer Währung handelte.

Große Nachteile hatte das Rupee-Payment für das Unternehmen WMW und seinen Lieferbetrieben hinsichtlich Einhaltung des Tropenschutzes und von Beistellungen sowie Komplettierungen zur Erfüllung der Lieferaufträge, wenn aus den freikonvertierbaren Währungsgebieten Zulieferungen erforderlich waren. Rupee-Payment sah keine Möglichkeit vor, dass ein bestimmter Anteil in frei konvertierbaren Währungen erfolgen kann. Zum Beispiel zur Erfüllung  des Tropenschutzes nach THA II waren wesentliche Bestandteile der Erzeugnisse nur über NSW-Importe erfüllbar. Dies betraf insbesondere bei elektrischen Ausrüstungen zu. Freikonvertierbare Währungen waren in der DDR bekanntlich Mangelware. Man kann sich vorstellen welche Schwierigkeiten es jedes Mal gab, wenn für die Komplettierung eines Indien-Auftrage entsprechende Mittel beantragt werden mussten. Man muss dabei auch bedenken, dass die erzielten Preise für die WMW-Produkte nicht gerade berauschend waren und die Lieferbetriebe lieber in lukrativeren Ländern Geschäfte abschließen wollten. Die Rentabilitätskennziffern wurden bei den Indien-Aufträgen oft unterschritten.

Bei diesem Thema zeigte sich auch, dass die Planwirtschaft der DDR nicht mit dem Wirtschaftssystem Indiens in Einklang zu bringen war. Planwirtschaft verlangt klar definierte Termine mit exakten Bereitstellungsterminen innerhalb einer Jahresplanung. Bei der indischen Lizenzpolitik und deren Importbestimmungen war es nicht möglich, vorausschauend mit entsprechender Sicherheit sagen zu können, wann die Anfrage nach einem Produkt in einen Festauftrag umgewandelt werden kann.Von der Anfrage bzw. bis zum Auftrag über die Lizenzbeantragung vergingen mitunter anderthalb Jahre und mehr. Bei AU-Lizenzen lag die Zeit noch höher. Selbst bei Tenderausschreibungen konnte man nicht vorausschauend mit einen Auftrag rechnen, auch wenn die Tenderausschreibung der Spezifikation des WMW-Produktes entsprach bzw. als Grundlage genommen wurde. Viel Zeit und Geld haben Vertreter und WMW für die Bearbeitung von Tenderausschreibungen verwandt. Die Erfolgsrate lag bei 10 % und stand in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Die Zusammenarbeit von Vertretern und WMW mit den staatlichen Stellen, wie STC, PEC, DGTD , DGOF etc. waren wie eine Achterbahn. Mal lief alles im besten Einvernehmen. Das Rupeepayment wurde gelobt und danach gab es wieder Verzögerungen und unnötige Probleme auf beiden Seiten durch neue Verordnungen und willkürliche Veränderungen. Man musste viel Geduld aufbringen und nicht an dem teilweisen Unvermögen dieser Organisationen zweifeln.

Die Zusammenarbeit WMW mit der ILO kann als sehr gut bezeichnet werden, viele Projekt wurden auf unterschiedlichen Gebieten der Aus- und Weiterbildung abgeschlossen und mit Maschinenlieferungen untersetzt. Die nationalen Vertreter hatten dabei keine Aktivitäten gezeigt, sie wurden also auch nicht durch Provisionszahlungen berücksichtigt. Dies traf auch bei dem anschließendem Thema zu. Beim Abschluss von Lizenzverträgen erhielten die Vertreter keine entsprechende Provision. Ein Fehler, denn dadurch  war das Interesse am Zustandekommen von Verträgen auf wenig Interesse bei den Vertreten gestoßen, verständlicherweise.

 

Wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit, Lizenzproduktionen DDR - Indien

 

In dem folgenden Artikel wird die Gesamtheit des Lizenzhandels DDR- Indien behandelt. Es geht also nicht nur um Werkzeugmaschinen.

Die DDR war unter den sozialistischen Ländern eines der ersten, das sich für die Vergabe von nationalem know how auf Lizenzbasis auch an Nichtmitgliedsländer des RGW entschieden hatte und 1960 die staatlichen, sowie mit der Gründung eines speziellen Außenhandelsbetriebes, der Limex GmbH, die organisatorischen Voraussetzungen dafür schuf.

Für diese Entscheidung waren die Ergebnisse der Besuche des damaligen Ministers für Außenhandel der DDR, Herrn Heirich Rau, 1955 und 1960 als stellvertr. Ministerpräsident, in Indien aus Anlass der Industriemesse in New Delhi bzw. der World Agricultural Exibition, mitbestimmend gewesen. Die ersten Lizenzanbahnungen und Verhandlungen fanden in diesem Zeitraum statt.

Mit logischer Konsequenz wurden die ersten Verträge über den Verkauf von “ know how “ aus Betrieben der DDR mit den indischen Partnern unterzeichnet. Auch die ersten Verkaufsreisen des neu gegründeten AHB erfolgten nach Indien und erst später in die VAR und Brasilien, den anderen bedeutenden Handelspartnern der DDR unter den jungen Nationalstaaten. Neben der beiderseitigen Entsendung von Expertendelegationen im Jahre 1961 zur Prüfung von Kooperationsmöglichkeiten wurden kurze Zeit darauf verantwortliche Mitarbeiter in New Delhi mit den Ziel einer schnellen Entwicklung der Lizenzvergabe und Industriekooperation stationiert.

Einer der ersten Lizenzverträge, der gleichzeitig mit einer Kapitalbeteiligung verbunden war, betraf die Produktion von Rattengift der Handelsmarke “ Delicia “. Diese Form der finanziellen Kooperation blieb seitens der DDR für viele Jahre die Ausnahme. Vielleicht waren die schlechten Ergebnisse der deutsch/indischen Gesellschaft sogar ein Grund für die künftige Zurückhaltung, sich finanziell an einem Unternehmen im Ausland zu beteiligen. Trotz des starken Bedarfs an den Delicia-Produkten in Indien, wegen der hohen Verluste in der Getreidelagerung, ging es der Firma erst dann wirtschaftlich gut, als der Lizenzgeber sich aus der gemischten Gesellschaft zurückzog. Vielleicht zeigt sich hier auch bereits die Schwäche einer sozialen Kopflastigkeit des Wirtschaftssystem der DDR, indem nicht der Gewinn, sondern die unmittelbaren Interessen der Arbeitnehmer eine größere Rolle spielten. Also höhere Löhne gezahlt und andere soziale Vergünstigungen gewährt wurden als erwirtschaftet werden konnten.

Es ist nicht mehr nachvollziehbar, von wem die Initiative beim Zustandekommen dieses ersten Vertrages ausging und ob Ausgangspunkt der Gedanke war, einen kleinen Beitrag zur Lösung des indischen Ernährungsproblems zu leisten.

Bei einer weiteren kurz danach vereinbarten Lizenzvergabe war die Unterstützung indischer Bestrebungen zur Lösung nationaler Probleme eher erkennbar. Als ein Beitrag zur Festigung der indischen Nation sollte die englische Sprache zugunsten einer der indischen Hauptsprachen, des Hindi, zurückgedrängt werden, um so eine Festigung des Nationalbewusstseins bzw. eine schnelle Entwicklung des Staates zu erreichen.

Mit diesem Hintergrund erfolgte die Vergabe der Produktionslizenz einer mechanischen Schreibmaschine der bekannten Marke “ Optima “ aus Erfurt im Süden der DDR mit Hindi-Tastatur an die Firma Godrej & Boyse Co, Prv. Ltd., Bombay. Diese Kooperation war erfolgreicher, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, als die Produktion von Rattengift. Die Lieferung der Baugruppen aus der DDR hatte den schnellen Anlauf der Produktion unterstützt, aber gleichzeitig in der DDR verdeutlicht, dass eine Zusammenarbeit, die die Lieferwerke von Baugruppen oder Einzelteilen einbezog, nicht den Möglichkeiten des starren Planungssystem der DDR entsprach, das damals und noch viele Jahre auf die Fertigung kompletter Produkte ausgerichtet war. Alle künftigen Lizenzverträge der DDR verzichteten in der Regel auf derartige Lieferungen. Die Devisenknappheit in Indien kam dieser Haltung der DDR entgegen, da so der nationale Unternehmer gezwungen war, sich schneller von seinem Kooperationspartner unabhängig zumachen.

Die Publikation des Godrej Vertrages und die Einbeziehung der Lizenzvergabe in das sogenannte Rupie-Payment führte zu einem schnell wachsenden Interesse indischer Unternehmen an einer Lizenznahme aus der DDR. Hinzu kam der Verzicht der deutschen Seite auf die Zahlung einer Royality (Stücklizenzgebühr) und Akzeptierung einer Einmaligen Zahlung (lumpsum) basierend auf einen Mindestproduktionsausstoß als Abfindung für die Lieferung der Konstruktionsunterlagen und der Fertigungsunterlagen unabhängig von dem tatsächlichen Umfang der Produktion des Erzeugnisses. Selbstverständlich konnte die Zahlung der einmaligen Abfindung in Raten erfolgen. Die weiteren Bedingungen der Lizenzverträge enthielten außer der Verpflichtung zur Geheimhaltung keine weiteren einschränkenden Auflagen, wie z.B. Exportverbot für die Lizenzobjekte.

Insgesamt gesehen war die DDR bezogen auf die Anzahl der pro Jahr genehmigten Lizenzverträge kein bedeutender Lizenzpartner der indischen Union. So wurden beispielsweise

 

 

o.g. Lizenzverträge mit Betrieben aus der DDR genehmigt. Fast alle Verträge wurden auch realisiert. Das bezogen auf andere Partnerländer war nicht immer der Fall. So wurden von den zwischen 1948 und 1968 genehmigten 3203 Lizenzverträgen bis 1969 nur 1050 Verträge realisiert. Der Anteil der DDR an diesen Verträgen betrug nur ca. 2 %, was aber einen 10. Platz  in der Länderwertung bedeutet hätte. Trotzdem kein schlechtes Ergebnis, zumal die DDR erst 1960 mit einer aktiven Lizenzvergabe begann und das gesamte Lieferangebot der DDR nicht ausreichend bekannt war. Eine Relativierung des DDR-Anteiles ergibt einen Vergleich des Umfanges der genehmigten Verträge zu den verhandelten und unterzeichneten Verträgen. Das ergab für die DDR ein wesentlich anderes Bild. Das Verhältnis von Anfrage nach einer Lizenzvergabe bis zum Vertrag betrug ca.50:1. Insgesamt wurden zwischen Indien und der DDR in den Jahren 1969 und 1989  189 Verträge abgeschlossen. Die Bewältigung dieses hohen Bearbeitungspensums wurde nur dadurch möglich, dass die DDR durch die Stationierung von kommerziell und technisch versierten Mitarbeitern der Limex in Indien und später der Kombinate, die Voraussetzung geschaffen hatten, schnell und unbürokratisch Verhandlungen aufzunehmen und erfolgreich zu beenden. Fairerweise muss auf einige Mehrfachabschlüsse hingewiesen werden, die einen geringeren Aufwand vor Vertragsabschluß erforderlich machten. Dazu gehörten z.B. Lizenzen für Elektrozähler, Schweißelektroden, Sauerstoffanlagen oder Hochspannungskabel.

Die Möglichkeit schnell und kompetent vor Ort zu verhandeln, hatte eine positive Nebenwirkung für die indische Seite, die sich allerdings schwer quantifizieren lässt.

Die für die Lizenzvergabe verantwortlichen Mitarbeiter der Handelsvertretung übernahmen ungewollt eine nachgeordnete Funktion des DGTD oder des zuständigen indischen Industrieministeriums, da sie im eigenen Interesse gezwungen waren, die nationalen Bestimmungen für die Erlangung eines Letter of Indent, einer Industrielizenz oder das Genehmigungsverfahren für einen Lizenzvertrag den Interessenten zu erläutern. Mitunter wurde auch praktische Unterstützung bei der Vorbereitung der mit der Beantragung bei  indischen Behörden einzureichenden Formblättern gegeben. Diese ungewollte Beratungsfunktion für häufig branchenfremde Kleinunternehmen aus dem Hinterland der Hauptstädte entlastete die vorgenannten indischen Institutionen. Außerdem wurden die Kooperation suchenden Gesprächspartner so auch für die Verhandlungen mit anderen ausländischen Lizenzpartnern qualifiziert.. Die wirtschaftlich relativ günstigen Lizenzbedingungen der Betriebe der DDR wirkten sich ohne Frage auf die Kompromissbereitschaft anderer Lizenzgeber aus. Nicht selten wurden Angebot und Vertragsentwurf der Limex GmbH anderen potentiellen Vertragspartnern als günstiges Konkurrenzangebot vorgelegt.

Wie international üblich kam es im Zusammenhang mit einer Lizenzvergabe zur Entsendung von Fachkräften nach Indien und zur Ausbildung indischer Fachkräfte in der DDR.

Im Gegensatz zu den Lizenzbeziehungen zur DDR wurde mit den Partnern aus anderen Staaten häufig allein das Patent Grundlage für einen schnellen Lizenzvertrag mit Gebührenzahlung (royalties)  ohne umfassende technische Hilfe. Grundlage derartiger Lizenzverträge bot die hohe Anzahl ausländischer Patentanmeldungen. Von z.B. 1952 bis 1959 in Indien angemeldeten 57.299 Patenten wurden 51.924 für ausländische Anmelder erteilt. Dieses Verhältnis von ca. 10 : 1 setzte sich auch noch in den nächsten Jahren fort.

Patentlizenzen spielten dagegen im Lizenzgeschäft mit der DDR in Indien keine Rolle, da die DDR weitgehendst auf Patentanmeldungen in Indien verzichtet hatte. Dadurch entfiel die Möglichkeit, einen Zwang zur Lizenznahme auszuüben.

Ein Schwachpunkt der Lizenzvergabe von  DDR Betrieben war der Mangel fehlender arbeitsteiliger Beziehungen, z.B. durch Weiterentwicklung der Produkte mit Lizenznehmer und Rückkauf durch die DDR. Letzteres geschah nur in Ausnahmefällen und wurde beim Erwerb von Hochspannungs- kabeln aus  Indien praktiziert. Die Kabelproduktion nach den RGW üblichen Normen ermöglichte Indien auch einen Export in andere Länder des RGW.

Parallel zu der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Zusammenhang mit Lizenzverträgen erfolgte kontinuierlich in der DDR ein mehrjähriges “ vocationale training “ für indische Fachkräfte aufgrund staatlicher Vereinbarungen. Diese mehrjährige Ausbildung von jeweils 20 - 30 Personen pro Jahr war mit einem 3 Monats-Deutschlehrgang verbunden. Eine enge Verbindung der ausgewählten Ausbildungsbereiche zu den in den Handelsabkommen vereinbarten Warengruppen und den beabsichtigten Lizenzvergaben konnte jedoch nicht hergestellt werden. Eine nicht unerhebliche Zahl der Absolventen dieser Form der Aus- und Weiterbildung nutzten den erlangten Berufsabschluss und die erworbenen Sprachkenntnisse, um im deutschsprachigen Raum Europas einer Tätigkeit nachzugehen.

Die staatliche Planung Indiens in Form der schon beschriebenen 5-Jahresplänen, die in der DDR am Anfang zu Fehleinschätzungen über eine zwangsläufige Entwicklung Indiens zu einem sozialistischem Land führte, orientierte bereits mit den ersten Fünfjahrplänen auch auf den Aus- und Aufbau einer nationalen Maschinenbauindustrie. Da diese Phase sehr wichtig für Indien war, wiederholen wir selbige, obwohl bereits schon in der Entwicklung Indiens beschrieben.

Bereits der erste Plan enthielt Festlegungen zum Aufbau von zwei staatlichen Werkzeugmaschinenbaubetrieben, der Hindustan Machine Tools LTD ( HMT ) sowie der Machine Tool Prototype Factory in Ambernath. Dieses staatliche Engagement war notwendig, da der Privatindustrie, die überwiegend in der Leichtindustrie aktiv war, zu diesem Zeitpunkt nicht die hohen Anfangsinvestitionen und langen Amortisationsraten eines Großbetriebes zugemutet werden konnte. Unter dem Slogan “ Build machines-build India” wurden die nationale Bourgeoisie darauf orientiert, das vorwiegend in der Leichtindustrie, im Handel und mit den sogenannten cash crops akkumulierte Kapital für die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges einzusetzen. Im Vordergrund stand die nationale Produktion von Werkzeugmaschinen, “ den Maschinen, mit denen Maschinen gebaut werden “. Diese Strategie fand in der DDR keine Anerkennung, da auf Grund der traditionellen Struktur der eigenen Industrie mit einem Werkzeugmaschinenbau im Mittelpunkt, für eine Intensivierung der Kooperationsbeziehungen keine Basis bestand. Natürlich spielten auch andere Faktoren eine Rolle. So entsprach der bisherige Export des Maschinenbaues der DDR an die indischen Hauptabnehmer nicht den vorhandenen Möglichkeiten. Die indischen Importe wurden, z.T. historisch bedingt, überwiegend aus West-Europa und dort von der ehemaligen Kolonialmacht bezogen. Die bestehenden staatlichen Beziehungen Indien-BRD führten zu einem gut genutzten Vorsprung westdeutscher Firmen auf dem indischen Markt.

Die indischen staatlichen Produzenten und Großabnehmer von Werkzeugmaschinen, vor allem die Betriebe der Fa. Hindustan Machine Tools ( HMT ) und zum Teil auch die Fa. Praga Tools waren auch in den Lizenzbeziehungen entsprechend orientiert und pflegten intensive Beziehungen zu Lieferanten und Kooperationspartnern aus der BRD. Diese Partner der Fa. HMT waren keinesfalls erfreut als Kontakte mit Betrieben aus der DDR zustande kamen und wirkten gegen eine Konkretisierung derselben. Verständlich, entsprach doch die Exportstruktur der BRD der DDR. Mit der Teilung des Deutschen Reiches war auch die bestehende Industrie auf Grund des Standortes von Tochter oder Stammbetrieben in Ost- oder West-Deutschland einer Teilung unterzogen worden. So waren plötzlich ehemalige Betriebsteile Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Eine Situation, die erst nach der Wiedervereinigung korrigiert wurde. Die Ergebnisse der Korrektur zeichneten sich besonders jetzt ab in Form der hohen Arbeitslosigkeit in den Gebieten der ehemaligen DDR.

Die Hindustan Machine Tool in Bangalore wurde 1956 von der Schweizer Firma Oerlikon aufgebaut. Mindestens 86 Spezialisten arbeiteten viele Jahre bei HMT. Die letzten 25 Spezialisten verließen erst 1960 Indien. Weitere Lizenzproduktionen waren mit den Firmen “ Fritz Werner “ und “ Kolb “ (beide BRD), Batignolles und Renault (Frankreich), sowie Olivetti (Italien) vereinbart worden. Das erreichte hohe technische Niveau dieser Unternehmen wird am besten dadurch gekennzeichnet, dass die Lizenzgeber zeitweilig Baugruppen aus der indischen Produktion in ihren Erzeugnissen einbaute, wenn Lieferengpässe auftraten.

Die ersten Verkaufsreisen des AHB Limex 1961 mit dem Schwerpunkt der Vorbereitung einer Zusammenarbeit im Maschinenbau konzentrierte sich deshalb insbesondere auf den Aufbau von Verbindungen zu diesem führenden staatlichen Betrieb Indiens in Bangalore. Noch im gleichen Jahr erfolgte der Besuch einer indischen Delegation unter Leitung von Shri Mathulla, Chairman HMT und Dr. Kalelkar vom DGTD auf der Leipziger Frühjahrs Messe 1961. Im Ergebnis dieses Aufenthaltes reiste dann eine Delegation von Experten und leitenden Personen des DDR Werkzeugmaschinenbaues nach Indien und es kam zu einem  grundsätzlichen, langfristigen Lizenzvertrag über den Bau von Werkzeugmaschinen zwischen HMT und der Limex GmbH als Vertreter der entsprechenden Vereinigung volkseigener Betriebe der DDR.

Die Kooperation mit der DDR öffnete bzw. erleichterte auch anderen RGW-Ländern, wie der UdSSR, und insbesondere der damaligen CSSR die Möglichkeit, auf diesem für beide Seiten wichtigen Wirtschaftssektor zu kooperieren. Trotzdem setzte die indische Seite die Lizenzbeziehungen mit westeuropäischen Partnern fort. Allerdings mit der geringen Gefahr einer einseitigen Abhängigkeit. Die mittels des generellen Kooperationsvertrages, der später auch zu Lizenzvergaben über Molkerei- und Druckmaschinen aus der DDR führte, geschaffene neue Konkurrenzsituation hat Indien ohne Frage in den Verhandlungen mit den bisherigen Lizenzpartnern aus kapitalistischen Ländern zum eigenen Vorteil nutzen können. Der bereits erwähnte 1960/61 unterbreitete Vorschlag zum Abschluss eines generellen Lizenzabkommens eines Konsortiums aus der BRD, kam z.B. auch wegen der Vereinbarung mit dem Werkzeugmaschinenbau der DDR nicht zustande. Ein Vergleich der Bedingungen für die Kooperation lässt die Gründe dafür schnell erkennen. Keine der von der BRD geforderten für Indien bedenklichen Bedingungen wurden von der DDR gestellt. Leider zögerte die DDR-Seite einem indischen Interesse nachzukommen und in die Zusammenarbeit auch das Institut für WM im damaligen Karl-Marx-Stadt einzubeziehen. So wurde eine Möglichkeit vergeben, die Beziehungen der Kooperation über einen langen Zeitraum auf eine qualitativ höhere Ebene zu stellen. Das Institut sollte neben Konstruktionsunterlagen auch Entwicklungen von tropensicheren hydraulischen, elektrischen und elektronischen  Antriebs- und Kontrollsystemen übernehmen und sich mit Zerspanungsproblemen befassen. Die Ursache für die Ablehnung war nicht nur in der Orientierung des DDR Instituts auf eine Zusammenarbeit im RGW zu suchen, sondern kann wahrscheinlich auch auf die schon enge Zusammenarbeit Indiens mit den westeuropäischen Produzenten zurückgeführt werden. 

Die Entscheidung der DDR, dem indischen Interesse an dem know how zur Errichtung eines Instituts für Werkzeugmaschinen und der Bauunterlagen für Testlabore nicht zu entsprechen, war aber auch die Folge einer Unterschätzung der indischen Möglichkeiten. Völlig unberücksichtigt blieb die Existenz eines nationalen Maschinenbaus in Indien, der durchaus auf eine lange Tradition, wie schon eingangs beschrieben wurde, verweisen konnte. Trotzdem sei es doch von Bedeutung, diese Passagen nochmals zusammengefasst zu erwähnen. Das Produktionsvolumen hatte aufgrund der Größe des Landes keine Bedeutung. So wurde bereits 1890 eine erste Produktion statistisch erfasst. Seit 1935 kann von einem Werkzeugmaschinenbau in Indien gesprochen werden. Der Produktionsausstoß dieser einfachen Maschinen (Drehmaschinen, Kurzhobler, Pressen und Bügelsägen) war noch gering und überstieg kaum eine Jahresproduktion von 100 Stück. Diese Maschinen wurden im Umfeld der Produktionsbetriebe bei anderen Produzenten für Reparaturzwecke eingesetzt. Erst im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des II. Weltkrieges wagten einzelne Produzenten eine Vergrößerung des Ausstoßes. Mit der Machine tool control order von 1942 erfolgte auch eine Förderung der Produktion durch die Bereitstellung von Technikern und Ausrüstungen. Dadurch stieg der jährliche Ausstoß im gleichen Jahr bereits auf 1800 Maschinen. 1945 wurden ca. 11000 Maschinen gefertigt. In diesem Zeitraum fällt auch die Festlegung von Qualitätsbestimmungen nach Dr. Schlesinger. Dieser Abnahmetest war allerdings freiwillig. Von den 11000 Maschinen wurden lediglich nur 3700 mit dem Abnahmezertifikat versehen.

In den 60er Jahren waren die Betriebe von HMT mit ca. 30 % am Produktionsaufkommen beteiligt. Alle 3 staatlichen Produzenten erzeugten ca. 50 %. Für die andere Hälfte waren 125 Betriebe im organisierten Sektor und ca. 300 Kleinbetrieb verantwortlich. Damit bestand eine ausreichende Basis die Zusammenarbeit auszudehnen und arbeitsteilige Beziehungen aufzubauen. Die indischen Aktivitäten zur Entwicklung numerisch gesteuerter Werkzeugmaschinen und die Fertigung bestimmter elektronischer Ausrüstungen, die den Engpass für die DDR-Industrie darstellten, hätten eine solche Kooperation allein aus wirtschaftlichen Gründen rechtfertigen können.

Auch das technisch hohe Niveau der indischen Fachleute wurde unzureichend gewürdigt. Fachleute, die in der Lage waren die nahezu gleichzeitige Lizenznahme von fast ein Dutzend Erzeugnissen aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Konstruktions- und Fertigungsphilosophien zu vereinen, hätten würdige Partner des Industriezweiges der DDR sein können. Bei den nach Indien vergeben Lizenzobjekten, wie z.B. Innenrundschleifmaschen, Flachschleifmaschinen, Wälzlagerschleifmaschinen, hydraulische Pressen oder eine komplette Wälzlagerfertigung durch den Industriezweig Werkzeugmaschinenbau der DDR gab es absolut keine Probleme im fachlichen Bereichen.

Bei den Vorstellungen neuer Fertigungstechnologien aus DDR- Forschungseinrichtungen und Produktionsbetrieben gab es stets zurückhaltende Resonanzen bei den indischen Organisationen und eventuellen Abnehmern. Vor allem dann, wenn es um Einsparungen an Arbeitskräften ging und erstaunlicherweise auch bei Qualitätsverbesserungen. Als Beispiel sei genannt die Bemühungen des Kombinates Umformtechnik Erfurt hinsichtlich Einführung der Querwalzmethode für Schmiede- und Formteile. Unerklärlich bleibt auch, warum die angebotene Lizenzvergabe von spitzenlosen Rundschleifmaschinen durch das Kombinat 7.Oktober nicht realisiert wurde. Mit dieser Lizenzaufnahme hätte der indische Werkzeugmaschinenbau hohe Umsätze erzielen können.

 

Häufig wurden im Zusammenhang mit größeren oder langfristig vereinbarten Warenlieferungen zusätzlich zu den staatlich vereinbarten Kontingenten Ausbildungen in der DDR oder vor Ort vorgenommen. Auch komplexe Warenlieferungen wie der 1976 begonnene Export von Großrechnern aus der Produktion der DDR nach Indien machte eine Schulung indischer Experten an dieser Technik für eine Programmierung, Bedienung und den Service notwendig. Die Entscheidung Großrechner des Typs EC 1040 aus der DDR für ausgewählte staatliche Betriebe zu beziehen, war nicht allein auf die durchaus ansprechende Qualität und Leistungsfähigkeit dieser  Geräte zurückzuführen. Die den Rechnern übertragenen Aufgaben lassen durchaus den Schluss zu, dass diese nicht von den insgesamt gesehen leistungsfähigeren Produzenten aus westlichen Staaten wie den USA betreut werden sollten. So wurde z.B. an einem Institut in Poona mit dem EC 1040 Langzeitberechnungen das Verhalten des Sommermonsuns durchgeführt. Wäre es gelungen mit Hilfe der Monsundaten des letzten Jahrhunderts eine Gesetzmäßigkeit des Monsunverhaltens und damit des Umfangs der jährlichen wahrscheinlichen Produktion an Grundnahrungsmitteln festzustellen, hätte dies nicht nur Schlussfolgerungen für die Bereitstellung von Devisen für den Import von Reis und Weizen sondern auch für die Gestaltung außenpolitischer Beziehungen zu den USA und der UdSSR gehabt. Die Rechner arbeiteten zur vollen Zufriedenheit der Kunden und erreichten bei der Abnahme eine Verfügbarkeit, die der anderen Produzenten entsprach.

 In dieser Zeit erhob Indien an die im Lande tätigen internationalen Monopole die Forderung, eine staatliche Beteiligung an den indischen Tochterfirmen auf  indischen Boden zu akzeptieren oder die Aktivitäten im Lande innerhalb einer Frist von 6 Monaten einzustellen. Das betraf z.B. Coca Cola, deren Produkt durch indische Erzeugnisse relativ leicht ersetzt werden konnte, aber auch IBM und ICL mit serviceintensiven hochentwickelten Geräten der Datenverarbeitung, die trotz der Anfänge einer nationalen Produktion nicht sofort ohne ausländische Unterstützung ersetzt werden konnten. Indien hatte zwar Anfangs der 60er Jahre bereits einen Computer im Tata Institut of Fundamental Research entwickelt und 1971 die serienmäßige Fertigung des TDC 312 und 316 durch die Electronics Corporation of India Ltd. aufgenommen, aber die Kapazität der Rechner konnte den nationalen Bedarf noch nicht abdecken. Ein Problem entstand auch hinsichtlich des Service der im Lande installierten Rechner in noch überwiegender Lochkartentechnik. Die DDR wäre in der Lage gewesen, sofort den noch für einige Jahre vorhandenen Ersatzbedarf an Lochkartentechnik zu liefern. Die gegenüber den Erzeugnissen von ICL gleichwertigen peripheren Geräte wurde in der DDR noch für den Export in die UdSSR gebaut. Die Fertigung sollte aber kurzfristig zugunsten moderner Technik auslaufen. Vielleicht war diese in Fachkreisen bekannte Tatsache ein Grund unter vielen, die letztlich zum Einlenken der beiden Multinationalen Computerkonzerne geführt hatte.

Anderseits war die entstandene Lage auf dem indischen Markt für die DDR Industrie in dem kurzzeitig drohenden Vakuum nicht der Anlas die Lieferbereitschaft zu klären. In der Situation wäre es möglich gewesen einen Marktanteil zu sichern und das Monopol der Konkurrenz zu durchbrechen. Leider wurde der indische Markt hinsichtlich Aufnahmefähigkeit und Stabilität und die Konkurrenzfähigkeit der neuen peripheren Geräte der DDR auf dem westlichen Markt überschätzt. Auch zu einer Lizenzvergabe konnten sich die verantwortlichen Kombinate nicht durchringen. So wurden die Absatzchancen für die Lieferung zu rentablen Preisen vergeben, die eine Fortsetzung der Produktion von Lochkartenmaschinen gerechtfertigt hätte. Die sich aus diesen engen Lieferbeziehungen zwangsläufig ergebene Zusammenarbeit und Kennenlernen der Probleme der Partner hätte mit Sicherheit Ansatzpunkte für weitere Kooperationen ergeben, bei der die Kombinate als Importeur hätten in Erscheinung treten können. Die Potenzen dafür waren vorhanden. Die Bezahlung hätte durch die zusätzlichen Lieferungen an Lochkartenmaschinen erfolgen können. So wurde auch auf diesem Gebiet die Chance einer langfristigen für beide Seiten lukrativen Kooperation verpasst. Zu diesem Zeitpunkt waren indische Betriebe durchaus in der Lage, innerhalb weniger Wochen Verbindungsstücke (interface) zwischen Geräten unterschiedlicher Systeme zu entwickeln und herzustellen. Mit dieser Interface Technik hätte ein Engpass für den Export der DDR Produkte in westliche Länder beseitigt werden können. Die Erzeugnisse der DDR waren in vielen Ländern aufgrund der dort installierten und eingeführten Technik nicht kompatibel. Die Anpassung hätte jedoch nur über die Entwicklung und den Bau dieser interface Geräte erfolgen können. Die übliche langfristige Planung auch der Entwicklungskapazitäten in Jahresscheiben hätte einen Zeitraum von 1-2 Jahren bis zu Produktion erfordert. Der aktuelle Bedarf erforderte jedoch eine Lieferung innerhalb weniger Monate zur Sicherung eines stabilen Marktanteiles. Die vorhandenen Angebote einzelner indischer Kleinproduzenten zur Zusammenarbeit wurden aus unterschiedlichen Gründen ignoriert. Die aus einer solchen Zusammenarbeit erwachsene Chance, auf dem auch damals unbestritten zukunftsträchtigem Gebiet für eine breite Kooperation, die beiden Ländern bessere Möglichkeiten gegenüber den internationalen Monopolen eingeräumt hätte, wurde damit vergeben.

Das betrifft sowohl die Zusammenarbeit zur Entwicklung und Produktion von Hardware als auch von Software. Auf diesem Gebiet hatten indische Fachleute bereits internationale Anerkennung gefunden. Bereits 1970 entstand in Indien mit der Tata Consultancy Services ein nationaler Software Produzent von internationaler Bedeutung. In den 80 iger Jahren gab es neben den Joint venture Tata Burroughs ca. 150 Kleinunternehmer und nahezu 500 Kleinstbetriebe, die auch für ausländische Auftraggeber Software entwickelten. Dieser schnelle Ausbau der Kapazitäten wurde durch den geringen materiellen Aufwand für die Ausarbeitung der Software, gut ausgebildeter Programmierer und dem internationalen Bedarf unterstützt. Das Exportvolumen stieg von ca. 3 Mio US $ 1980 auf ca. 125 Mio $ 1989. Die unterbreiteten Vorschläge, diese Erfahrungen indischer Software Experten auch zur Überwindung der eigenen Engpässe zu nutzen, blieben ungehört.

Die wissenschaftlichen Beziehungen DDR- Indien widerspiegelten umfangreiche, vielfältige, beiderseits staatlich gelenkte und geförderte Aktivitäten und damit auch einen nicht unwesentlichen Bestandteil der Entwicklung bilateraler politischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Zu den kultur-wissenschaftlichen Beziehungen DDR-Indien liegt eine umfangreiche Ausarbeitung vor, welche im Rahmen einer Veröffentlichung über die Deutsch-Indische Gesellschaft Berlin e.V. erworben werden kann.

 

Export von Werkzeugen und Werkzeugmaschinen aus Indien in die DDR.

                                       

Der Bedarf an Werkzeugen und Werkzeugmaschinen in der DDR nahm besonders nach 1970 zu, bedingt besonders in den Bereichen, wo die Produktion eingestellt wurde zu Gunsten der Aufnahme weiterentwickelter Produkte oder Verlagerung der Produktion im Rahmen der arbeitsteiligen Beziehungen im RGW. Bestimmte Erzeugnisse des indischen Werkzeug- und Werkzeugmaschinenbaus boten sich regelrecht auf einigen Gebieten dafür an. So u.a. Handwerkzeuge, Schneid- und Bohrwerkzeuge, Drehmaschinen, Radialbohrmaschinen und Maschinen für Reparaturbereiche unterschiedlicher Art. WMW war ehrlich bemüht, eine für beide Seiten nutzbringende Import-Export-Koordinierung auf dem Gebiet des Werkzeugmaschinenbaus unter Ausnutzung des Rupeepayments durchzuführen. Die indische Seite tat sich leider schwer in dieser Angelegenheit. Schwerfälligkeit, zeitaufwendige mangelhafte Angebotslegung, fehlende Bereitschaft zur Bereitstellung von Test- und Erprobungsberichten, überhöhte Preisvorstellungen, fehlende Liefergrafiken, ungenügende Bedienanleitungen und Ersatzteilkataloge, unzureichendes Sonderzubehör und andere Unzulässigkeiten behinderten erheblich die Bemühungen von WMW, bahnbrechende Vereinbarungen zu entwickeln. Verständlicherweise ließ auch das Interesse bei den Importabteilungen des AHB WMW nach, da man nicht gewillt war, die indischen Exportbehörden mit ihren Betrieben zu einer marktgerechten Arbeit zu befähigen. Die indische Seite musste regelrecht gezwungen werden, ihre Erzeugnisse auf der Leipziger Messe auszustellen, um das gesamte Sortiment Indiens darzustellen. Es blieb nur bei Fragmenten aus der wirklichen Leistungsfähigkeit des indischen Werkzeugmaschinenbaus.

So blieb es leider nur bei geringfügigen Exporten Indiens. Dazu zählten Drehmaschinen, Radialbohrmaschinen, pneumatische Spannwerkzeuge, Hartmetallwerkzeuge, Gewindebohrwerkzeuge und Handspannwerkzeuge.

Die Abwicklung der Aufträge war auch nicht gerade fördernd. Schlechte Verpackungen, fehlerhafte Lieferungen, unkomplette Auslieferung durch Diebstahl auf den Transportwegen, mangelhafte Verarbeitung im Gussbereich, ungenügende Farbbehandlung und Konservierung für einen Seetransport. Weiterhin musste die Liefertreue bemängelt werden. Es gab ständig Lieferverzögerungen durch Streik und andere Probleme. Kostenaufwendige Akkreditiv-Verlängerungen waren die Folge für den Auftraggeber. Es entstand eine regelrechte Ablehnung, weiter mit den Exporteuren Indiens auf diesem Gebiet zusammen zu arbeiten.

 

Werbung und Messen, Symposien, Marktbearbeitungsgruppen, Warenzeichenarbeit von WMW und der vier WM-Kombinate auf dem indischen Markt.

Der ständige wissenschaftliche- technische Fortschritt und die Entwicklung der Märkte hatten weitreichende  Veränderungen sowohl in der Technologie der Produktion als auch im Absatz hervorgerufen. Auch in Indien war WMW mit dieser Situation konfrontiert. Indien ist mehr als ein Land. Es ist ein Kontinent mit verschiedenen Sprachen, Volksgruppen und vor allem unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Wer in Indien ohne gründliche Kenntnisse und intensives Verständnis der Mentalitäten aktiv werden will, vergibt wertvolle Chancen.

Quantitativ und qualitativ wuchs der Stellenwert im Reproduktionsprozess. Dieser Entwicklung musste auch die Exportwerbung von WMW Rechnung tragen, um den Verkauf von Erzeugnissen, so auch Hochtechnologien unter den Bedingungen des Verdrängungswettbewerbes auf dem äußeren Markt, wie Indien, wirksam zu unterstützen. Indien war kein Verteilerland  für Werkzeugmaschinen, hier musste jedes Erzeugnis mit einer technologischen Lösung  angeboten werden ,wobei der endgültige Verkauf  vorher sich nie mit Bestimmtheit erkennen ließ.

Die Werbeordnung des Industriezweiges Werkzeugmaschinen-Werkzeuge war das Leitungsinstrument, welches den wirtschaftlichen Einsatz der materiellen und finanziellen

Fonds sicherstellen sollte. Wichtige Elemente der Strategie und Organisation der Werbung, des Werbemitteleinsatzes und der Gestaltung wurden mit ihr festgelegt. Sie stellte eine Handlungsrichtlinie dar, um die gesamten Werbeaktivitäten dem Ziel eines einheitlichen Vorgehens und Auftreten bei der Verkaufsförderung und der Gewinnung der Märkte unterzuordnen. Diese Handlungsrichtlinie galt nicht nur für den AHB WMW, sondern für den gesamten Industriezweig mit seinen vier Kombinaten und seinen Exportlieferbetrieben, den Marktbearbeitungsgruppen, den Technisch-Kommerziellen-Büros und den nationalen Vertretern. Oft war es in Indien sehr schwer, die nationalen Vertreter zu überzeugen, sich mit an diese Werbeordnung zu halten. Bei Nichteinhaltung der jährlich abgestimmten Vorgaben wurden die Werbekostenzuschüsse gestrichen.

Bei der Planung und Durchführung jeglicher Art von Werbemaßnahmen und Aktivitäten wurde davon ausgegangen, dass zunehmend ein koordiniertes, komplexes und kontinuierliches Auftreten auf den jeweiligen Verbrauchermärkten unter differenziertem Einsatz der einzelnen Marketinginstrumente erforderlich wurde.

WMW betrieb in Indien eine komplexe Marktarbeit durch einen Verbund von TKB, Marktbearbeitungsgruppen der vier Kombinate, der Länderabteilung des AHB WMW und der nationalen Vertreter, unter dem Waren- und Verbandszeichen WMW und somit folglich eine komplexe Werbung für einen Wirtschaftszweig der DDR, dessen einzelne Wirtschaftseinheiten im Zuge des wissenschaftlichen Fortschrittes immer mehr zusammenrückten und kooperierten und weniger als einzelne Betriebe in Erscheinung traten. Die Erzeugniswerbung musste sich diesem Anliegen inhaltlich und gestalterisch unterordnen. Sicherlich gab es in Indien Ausnahmen, so mit den bekannte Warenzeichen wie: NILES, UNION, Kuasy, MODUL um nur einige zu nennen, welche sich über einen langen Zeitraum gerade in Indien eine Namen gemacht haben aus Tradition. Aber immer im Zusammenhang mit dem WMW Warenzeichen im Verbund dargestellt. Das WMW- Warenzeichen war in Indien mit Gründung des Warenzeichenverbandes registriert. Verstöße gegen das Warenzeichen WMW in Indien gab es nicht. Ein Einspruch durch den Automobilhersteller BMW wegen etwaigem Gleichklang wurde durch indische Gerichte abgewiesen. Man brauchte nur die englische Sprechweise vergleichen und der unsinnige Verdacht von BMW war zu den Akten gelegt.

Die Richtung der Werbung wurde auf der Basis von Erkenntnissen der Marktforschung, vom AHB WMW für das jeweilige Land vorgegeben und orientierte sich an: Anwenderverhalten, Innovationsaufgaben, Marktbedingungen und Leistungsprofil der WMW Organisation intern und vor Ort. Also ein ganzes Paket von Maßnahmen wie:

- Gestaltungsgrundsätze

- Planung der Werbeaktivitäten 

- Vorbereitung , Durchführung und Abwicklung von Messen und Ausstellungen

- Vorbereitung, Durchführung von Sonderveranstaltungen, Symposien       

- Fachvorträgen und Anwenderkonferenzen

- Beteiligung an technischen Tagen und Informationsveranstaltungen

- Vorbereitung und Durchführung der Werbung in Presseorganen

- Abstimmung der Arbeit mit den Partnerunternehmen für Messen und Werbung ( Interwerbung

   und Dewag-Werbung)

Der Name WMW wird sicherlich noch lange in Indien in den Köpfen der Abnehmer bleiben, auch wenn es diesen Industriezweig nicht mehr gibt. Nicht nur durch die WMW-Werbung kam es zu dieser haftenden Rufbildung, sondern durch die Leistung aller am Export beteiligten Organisationen, Kombinaten mit ihren Exportlieferbetrieben und nicht zu vergessen den nationalen Vertretern. Zu den Leistungen zählen natürlich auch vor allem die über 28.000  gelieferte Erzeugnisse des WMW- Industriezweiges nach Indien.

 

 

 

Zusammenarbeit mit den werkzeugmaschinenexportierenden sozialistischen Ländern auf dem indischen Markt.

Im Rahmen der sozialistischen Integration der werkzeugmaschinenexportierenden Länder des RGW wurde über einen langen Zeitraum  eine abgestimmte Zusammenarbeit  mit den Partnerunternehmen durchgeführt. Der Werkzeugmaschinenbau der DDR wurde durch den AHB WMW Export-Import vertreten und hatte die Leitung aller beteiligten Länder auf Vorschlag des RGW seit 1965 bis 1989 übernommen. Zu den teilnehmenden Ländern zählten : neben der DDR die UdSSR, VR Polen, VR Ungarn, die CSSR und die VR Bulgarien. Rumänien zählte ebenfalls zu den Teilnehmern, schloss sich aber aus durch Nichtteilnahme. Die abgestimmten Jahresarbeitspläne, durch die RGW bestätigt, waren die Grundlage für die jeweiligen Organisationen. Entsprechend den Arbeitsplänen wurden in festgelegten Zeitabschnitten Konferenzen durchgeführt, deren Inhalt sich auf die Abrechnung der gestellten Aufgaben befasste. Hierbei ging es im wesentlichem um folgende Aufgaben:

- Austausch von relevanten Marktinformationen

- Abstimmung zum gemeinsamen Vorgehen zu Fragen des Im.- und Exports

- Austausch von Kundeninformationen, Kundenschutz

- Austausch von Preisinformationen, Preislisten

- Bearbeitung gemeinsamer Projekte im Anlagenexport

- Abstimmungen zu Fragen des Imports aus Indien.

Die Arbeit der Gruppe Indien wurde über viele Jahre als sehr positiv und beispielgebend für andere Entwicklungsländer durch den RGW gewertet.

 

 

Mit diesem Teil möchte der Verfasser beenden. Es ist ein Fragment, viele Lücken sind vorhanden und es stellt nur einen Entwurf dar, welcher noch auf vielen Bereichen verändert werden muss bzw. einer Konkretisierung unterzogen werden muss. Leider fehlen auch in den ganzen Ausführungen viele Teile des DDR- Maschinenbaus, wie Textima, Polygraph, Maschinen Export-Import, Fortschritt-Landmaschinenbau um nur einige zu nennen, welche einen nicht unerheblichen Anteil hatten zum Thema Handelspartner auf Zeit DDR-INDIEN.

 

Anfragen, Anregungen, Hinweise an Klaus-Dieter Baumgarten